Sie stieg in den Wagen. Altmann schlug heftig die Tür hinter ihr zu. Sie sah, wie er mit aufgespanntem Regenschirm und hochgekrempelten Beinkleidern neben dem langsam fahrenden Wagen herging, und wie das Wasser bei jedem seiner Schritte patschend aufspritzte. — —

Der Abend brachte Karla ihren bisher größten Erfolg. Sie war noch nie so gut bei Stimme gewesen, hatte noch nie ein so alles überragendes, leidenschaftliches Spiel gezeigt. Es war für Karla ein ungeahnter Triumph, daß ihre Senta den fliegenden Holländer selbst in den Schatten stellte. Man hörte, man sah nur Karla König. Keinem Stierkämpfer waren je begeistertere Huldigungen dargebracht worden! Blumen, Fächer, Taschentücher, ja sogar Ringe, Armbänder und Halsketten flogen auf die Bühne. Die Frauen jubelten Karla fast noch mehr zu als die Männer. Sie waren bereit, sich vor ihr niederzuwerfen, mit ihren kostbaren Kleidern und mit ihren Leibern einen Teppich zu bilden, auf dem sie bis in ihr Hotel schreiten könnte. Karla König hatte ihnen ihr Frauenschicksal gesungen ...

Die Polizei mußte einschreiten, um Karla zu schützen, denn hundert gierige, fanatische Hände streckten sich nach ihr aus, um eine Spitze ihres Kleides, eine Strähne ihres Haares an sich zu reißen.

Zitternd und blaß kam Karla, von John Russel und Kapelle geleitet, im Hotel an.

Eine Zeitlang hielt Russel einen Platz für die Nordeni frei, aber Schädlowski sagte etwas von einer Einladung und „großen Geschichte“, die im Nebensaal gefeiert werden sollte.

„Vielleicht verlobt sie sich“, meinte Kapelle laut und gallig. „Ich wünsche es ihr und mir!“

Er war jedesmal schlechter Laune am Vorabend ihres Auftretens.

Kapelle neigte sich zu Karla, er hätte etwas gehört von großartigen Beziehungen, die die Nordeni hier hätte ... vielleicht ... bei Gott und in Brasilien war kein Ding unmöglich ... vielleicht blühte ihm noch die Aussicht, ihr einmal in ehrlicher Freude die Hand schütteln zu können ...

„Sie sind boshaft, Kapelle! Ich stoße heute nicht mit Ihnen an.“

„Schön. Und wenn Sie verständig sind, dann trinken Sie überhaupt nicht soviel Schaumwein. Selterwasser mit Zucker und einem Gläschen Kognak tut’s auch. Russel ist ein Esel — er glaubt, wunder wie nobel er ist, wenn er Ihnen Magen und Stimme ruiniert! Was geht’s ihn auch an? Sind Sie erst fertig, findet er eine andere!“