Die Nordeni nickte müde. Wie naiv diese Männer doch waren ... Die Besten waren naiv ... die anderen ...

Elegant und sicher trugen sie die schönen, schwarzen Pferde ihrem Hotel zu. Sie fror in ihrem prächtigen Hermelinkragen. In diesem Wagen würde Mariette fortan fahren ... Oder nicht? ... Mariette hatte schon von einem Auto gesprochen. Sie wollte die erste sein, die es hier einführte ...

Ein feuchter, kalter Schweiß trat der Nordeni auf die Schläfen, als sie daran dachte, daß sie in drei Tagen würde packen müssen ... allein ... und dann wieder auspacken ... und abermals packen ... ihre Kleider, ihre Wäsche, ihre Schuhe, ihre Haare, ihr Geschmeide ... Reisen ... Singen ... Singen ... und die Grobheiten von Kapelle ...! Immer schwerer wurde es ihr, das hochnäsige Lächeln festzuhalten ... immer schwerer, die Höhe zu erklimmen ... So viel Staub lag in ihrer Kehle, so viel Müdigkeit in ihren Gliedern ...

Der Wagen hielt. Der Diener sprang vom Bock, öffnete den Schlag, die Finger an der Hutkokarde. Sie nickte herablassend — ihr Diadem funkelte auf in dem behende angedrehten Licht der Hotelhalle. Aalgleich wand sich ein Neger an ihr vorbei, drehte überall das Licht an. Auch in ihrem Zimmer.

Es war nur flüchtig geordnet — von fremden, lieblosen, ungeschickten Händen. Jetzt war sie wenigstens allein ... Um keinen Preis rief sie das schwarze Mädchen ... Und wenn sie die ganze Nacht angekleidet bleiben sollte! ... Eine der Kolleginnen würde ihr schon helfen, wenn sie von der Hochzeitsfeier zurückkämen ...

Die Tür zum kleinen Zimmer nebenan stand noch auf. Wenn sie Licht darin machte, dann konnte sie sich allenfalls einbilden, Mariette wäre noch da, bürste ihr rotes Haar und ordne es unter dem hübschen Netz, mit den blauen Schleifen, das sie über Nacht immer trug ...

Langsam ging sie auf das Zimmer zu. Ihre Schleppe rauschte hinter ihr drein, ihre Steine funkelten auf, wie Strahlen einer scheidenden Sonne. Aber kaum hatte sie den Fuß über die Schwelle gesetzt, als das Licht in ihrer eigenen großen Stube erlosch. Etwas Weiches, Glattes, gleich zwei nackten Frauenarmen, umklammerte ihren Hals — gleichzeitig fühlte sie einen Schlag gegen die Stirn und schrie auf — kurz und hoch und klar. Stieß in ihrem Todesschrei noch zum letztenmal den Ton aus, auf dem ihr ganzes Leben aufgebaut gewesen war — das hohe C ...

— — — Die Vorstellung am nächsten Abend fiel aus.

Den ganzen Tag standen Schutzleute vor dem Hotel, um die andrängende Menge zurückzuhalten. Schließlich mußte die Straße abgesperrt werden, da es allen Anschein nahm, als ob sich eine Korsofahrt vor dem Hause entwickeln sollte ...

Eine Kommission hatte den ganzen Morgen über den Tatbestand des Mordes aufgenommen. Von der schwarzen Dienerschaft waren ein Neger und seine Liebste, die Stubenmädchen war, verschwunden. Sie hatten reiche Beute gemacht und mußten Helfershelfer gefunden haben außerhalb des Hotels ... Als alles vorüber war, ließ Russel die Nordeni feierlich aufbahren. Die Stirn mit der klaffenden Wunde war mit einem Spitzenschleier umwunden.