Bis in die Lippen bleich, mit verstörten großen Augen schlich sich Karla zu ihr herein. Sie faltete die Hände, als wollte sie beten, aber ihre Lippen vermochten keine Silbe zu formen.

„Primadonnentod“, murmelte jemand neben ihr.

Es war Kapelle.

Sie schrak zusammen, als hätte sie jemand am Genick gepackt, und da Altmann, der gerade einen riesengroßen Kranz zu Füßen der Toten niedergelegt hatte, sich aufrichtete — warf Karla aufschluchzend ihre beiden Arme um seinen Hals ...

„Mein Mann ... mein lieber Mann! ...“

Karla König konnte sich lange nicht von ihrer Erschütterung erholen. Sie litt an Weinkrämpfen, war krankhaft ängstlich geworden, und nicht selten mußte ein im Theater anwesender Arzt, mit Beruhigungsmitteln aller Art ausgerüstet, die Zwischenakte in ihrer Garderobe verbringen.

Nachts konnte sie oft stundenlang nicht schlafen, sah immer Mariette vor sich, wie sie in einem langschleppenden schwarzen Kleide vor der Bahre der Nordeni niedergekniet war und sich die Tränen mit einem kostbaren Spitzentüchlein getrocknet hatte.

De Santos hatte hinter ihr gestanden, wieder sehr bewegt und sehr feierlich. Ein Diener brachte einen Kranz, groß wie ein Wagenrad.