„Na ja ... na ja ... Das Ei des Kolumbus ... War ganz einfach. Ich hab’ noch ein paar Beziehungen ... das ist alles. Hab’ sie nie gebraucht für mich ... Aber diesmal .... Also geht Sie alles nichts an. Ich frage nur: Ja oder nein?“

Karla suchte ihr Taschentuch; sie preßte es gegen die Augen, schneuzte sich, lachte, brachte ein paar ganz sinnlose, unzusammenhängende Worte vor und stockte plötzlich.

„Na, was ist denn nun wieder?“

„Nicht böse sein, Kapelle ... liebster, bester Kapelle ... nicht böse sein ... Aber wenn Russel ... wenn der Mensch mich nicht losläßt, und wenn mein Mann ...“

„Ach was, Russel ... Ihr Mann ... Vielleicht der Herr Präsident der Vereinigten Staaten und der Schutzmann von der nächsten Ecke! ... Kommt man über den Kopf, so kommt man über den Schwanz ... Ich hab’ was auf der Bank ... brauche ja nichts, nicht wahr? Und den Russel ... dem hab’ ich immer fest Daumenschrauben angelegt ... Hat immer alles gezahlt und wird weiter zahlen! ... Also wenn’s das ist ... Das Geld für Sie, um von ihm loszukommen, liegt bereit.“ ...

Er kramte in der Seitentasche, holte ein schmales Büchlein heraus, kritzelte seinen Namen unter eine Seite, riß sie heraus und steckte sie Karla in die Hand.

„Ein Scheck. In blanco.“

Er stampfte ungeduldig mit dem Fuß auf, weil Karla ihn mit ihren großen, braunen Augen ganz verständnislos ansah.

„Herrgott, wissen Sie denn nicht, was ein Scheck in blanco ist? Also Sie brauchen hier bloß auszufüllen ... die Höhe des Betrages ... dreitausend Dollar ... oder viertausend ... oder fünftausend ... wie viel es gerade macht. Zehne sind’s doch nicht?“, schrie er sie an, weil sie noch immer so regungslos dastand. „Na also, bis zehn langt es ... verstanden? ... Damit gehen Sie zur Bank und holen sich das Geld und legen es Russel in seiner Office auf den Schreibtisch. Quittung nicht vergessen! Sie sind imstande! ... Obwohl Russel ... Handschlag genügt bei ihm. Ein kleiner Schuft ist er nicht. Damit käme er hier nicht weiter. Haben Sie nun verstanden, ja? Zeit war’s. Und morgen in Ihrem Boardinghouse hinterlassen Sie mir ein Wort, bevor Sie ausgehen. Ja oder nein. Damit ich nach Berlin kabeln kann. Verlieren Sie den Scheck nicht ... sonst holt sich irgendein Nigger das Geld ab ... Wär’ schade ... Wiedersehen, Karla König ... Ich sehe Sie noch, bei Ihrer Abreise. Und in Berlin gleich zum Halsarzt! Und Stunden nehmen! Von vorne anfangen ... verstanden? Und das Geld ... wenn Sie mal sehr viel verdienen ... dann schicken Sie mir’s zurück. Brauchen kann man’s immer.“ ...

Er drückte ihr die Hand, kurz und hart, rückte an seinem Hut, schob die Tür auf und wieder hinter sich zu.