Eine große, stille Freude leuchtete aus Alwin Maurers Augen. „Jetzt glaube ich’s, daß du da bist, Karla ...“
Endlich saßen sie im Wagen. Wieder riß Karla das Kind an sich.
Aber Schmerzchen strebte auf Altmanns Schoß hinüber. Die Mama war schrecklich wild. Die Mama hatte ihr das neue Hütchen zerdrückt und das Haar zerrauft. Schmerzchen fühlte sich als großes Fräulein, ging und setzte sich selbständig, kroch auch mal dem oder jenem auf den Schoß — aber nur, wenn’s ihr paßte. Mama glaubte wohl, sie wäre ein Ball und könnte in die Luft geworfen werden? Das war sehr unangenehm ...
Papa war viel ruhiger. Papa hatte sie auf beide Backen geküßt, wie alle Onkels es taten! Und er hatte sie auf seinem Arm sitzen lassen, wie auf einem Stuhl! Das war ganz etwas anderes ... Und als sie „runtergehen“ gesagt hatte, da hatte er sie gleich auf die Erde gestellt und hatte mit ihr spazierengehen wollen! Mama aber hatte sie gleich wieder am Arm gepackt und hatte zu laufen angefangen. „Karla ... Karla! ... So paß doch auf!“, hatte der Papa gerufen.
Also Karla hieß die Mama ... Aber sie war gar nicht, wie Mamas sind ... gar nicht ein bißchen ...
Schmerzchen kroch also zu Papa auf den Schoß und beguckte sich die Mama mit großen, ein wenig feindlichen Augen.
Mama hatte ein schrecklich braunes Gesicht und sehr große Augen und weiße Zähne. Mama hatte einen großen Pelzkragen um, obwohl es doch heiß war. Und schöne glitzernde Ringe hatte Mama an den Händen. Und eine sehr starke, laute Stimme hatte sie und sprach so viel ... und die Hände waren immer in Bewegung ... als wollten sie immer nach ihr greifen.
Schmerzchen schmiegte sich an den Papa. Papa streichelte ganz sanft ihr Haar und ließ sie ruhig an seiner Uhrkette spielen.
Karla streifte Schmerzchens Röckchen hoch und drückte ihre Lippen auf die weiße kleine Wade.
„Hast du Mama lieb, Schmerzchen ... sag, hast du Mama lieb?“