Luise und Adele teilten die Zimmer ein. Schmerzchen sollte mit Luise in einem Zimmer des hinteren Ganges schlafen, mit Aussicht auf die rückwärts liegenden Gärten. Die Schlafstube der Eltern war vorn bei der Eingangstür, durch eine Tapetentür mit dem Speisezimmer verbunden. Vorne heraus anschließend an den Speisesaal lagen das große Musikzimmer, ein schmales, einfensteriges Empfangsstübchen und Altmanns „Studierzimmer“.

Es war der schönste Raum der Wohnung — neben der Eingangstür gelegen und daher selbstverständlich nur so zu verwenden. Luise sagte:

„Das werden wir dir schon gemütlich einrichten, Ernst.“

Karla sah mit großen Augen zu, wie die Schwägerinnen alles untereinander besprachen und, ohne sie eigentlich zu fragen, die Wohnung instand setzten.

„Du brauchst dich gottlob um gar nichts zu kümmern, Karla,“ sagte Luise, „dafür bin ich da!“

„Ich weiß gar nicht, wie wir Luise das je danken können“, meinte Altmann.

Karla dankte ihr, indem sie sich wirklich um nichts kümmerte. All ihre freie Zeit wollte sie Schmerzchen widmen. Aber Schmerzchen machte sich gar nichts daraus, mit der Mama in den Straßen herumzustapfen. Schmerzchen verlangte nach ihrem Sandhaufen im Tiergarten, und Vicki mußte sie beide hinführen. Karla setzte sich auf den Holzrand der Sandgrube und ließ sich von Schmerzchen belehren, wie Kuchen geformt und ausgelegt wurden, wie das Eimerchen mit Sand zu füllen und wo es auszuleeren sei.

Karla war nahe daran, Schmerzchens Gunst zu erobern, als Vicki sie am Ärmel zupfte.

„Tante — Herr Baumeister Bodo Völkel möchte dir vorgestellt werden.“

Bodo Völkel war sauber und sparsam angezogen. Er hatte ein schmales, blasses Gesicht und eine niedrige, eigensinnige Stirn. Seine Augen blickten ein wenig unstet. Er schien sehr nervös und ein bißchen gallig.