„Verzeihung, Frau Karla König ... hoffentlich hat der Schreck der Kleinen nicht geschadet — und Ihrer wunderschönen Stimme auch nicht ...“

Karla sah auf. Ein breites, blondes, lachendes Gesicht blickte auf sie herunter. Sie wurde jetzt rot, wie Vicki vorhin.

„Woher kennen Sie mich?“

„Haben Sie mich denn nie gesehen, gnädige Frau? Erster Eckplatz links. War jedesmal da, wenn Sie gesungen haben. Habe pöbelhaft geklatscht! Hatte mal so einen Renner wie Ihre Stimme ... ein Sturmwind und so folgsam dabei ... Schön singen Sie! ...“

Karla wollte lachen. Sie lachte leicht, wenn man ihr etwas Schmeichelhaftes sagte; nur so dumm mußte es nicht sein, wie vorhin von Bodo Völkel — aber sie spürte plötzlich eine Verlegenheit über sich kommen, als wäre sie ein kleines Mädchen.

„Ich singe so gern.“

„Habe ich gemerkt, gnädige Frau. Das war keine Dressur ... Verzeihung — dressieren sagt man wohl nicht ... ich meine, das war ... Wie ein Sturmvogel singen Sie.“

Er hatte es mit dem „Sturm“. Vicki kicherte in ihr Taschentuch hinein; Karlas Mundwinkel zuckten mutwillig. Sie brach ab.

„Komm, Schmerzchen ...“

„Verzeihung, gnädigste Frau ... Graf Gaudlitz ist mein Name ... Noch einmal mein ehrlichstes Bedauern, daß ich Ihr ... wie sagten doch gnädige Frau? ... daß ich Ihr ‚Schmerzchen‘ erschreckt habe ...“