Adele war erregt, zu sehr mit sich und der nicht unmöglichen Veränderung ihrer Verhältnisse beschäftigt, um noch viel Anteil an dem allgemeinen Gespräch zu nehmen. Luise war ihrerseits in nicht sehr heitere Betrachtungen versunken, der Papa suchte nur nach einer schicklichen Minute, um das Weite zu suchen. Alwin Maurer paffte gedankenvoll an seiner Zigarre ... Der Arzt hatte ihm von der Möglichkeit einer kleinen Operation gesprochen ... immerhin Narkose. Dr. Maurers Herz war nicht sehr widerstandsfähig ... eine Gefahr war immer vorhanden. Es war schon besser, er schleppte sich mit seinem Leiden weiter, solange es ging, als daß er Frau und Kinder unversorgt zurückließ. Um Fritz brauchte er sich zwar keine Gedanken zu machen, aber Vicki — — Adele — —! Sollten sie, wenn es schief ging, auch wieder Karla zur Last fallen? ...
Er hatte Karla beobachtet in diesen letzten Wochen ... So unbekümmert war sie nicht wie früher, so urgesund. Um ihre Lippen zuckte es manchmal ganz eigen — sie fuhr zusammen, wenn man unvermutet das Wort an sie richtete, und in ihren Augen blitzte es manchmal schreckhaft auf, wenn von Brasilien die Rede war ... Er hatte auch ihr Gesicht gesehen, während der Papa vom Grafen Gaudlitz erzählte ... ein ganz anderes Gesicht war es gewesen, als er es sonst an ihr kannte ... Und es hatte ihn wehmütig gestimmt. Mochten die Altmannschen Damen auch das Bollwerk von Familienleben, Dauermöbeln und bürgerlicher Gemeinsamkeit um sie herum aufrichten — ihr Leben stand ihr noch bevor, jenseits dieses Bollwerks, und dieses Leben durfte nicht noch mehr beschwert werden, als es schon war ...
Sanft plätschernd ebbte das allgemeine Gespräch ab. Mit dem Papa gingen auch alle anderen — er brauchte keinen Vorwand zu erfinden.
Schon auf der Treppe sagte Alwin Maurer, indem er Karlas Hand festhielt:
„Weißt du, daß du heute, am Einweihungstage deiner Wohnung, — nicht gesungen hast?“
„Ja ... richtig ...“
Sie blickte ein bißchen wehmütig vor sich hin.
„Schmerzchen habe ich heute auch kaum gesehen ...“
Der Papa krähte von unten herauf:
„Soll ich Gaudlitz grüßen? Ich sehe ihn vielleicht noch im Schachklub!“