Karla fuhr zusammen.

„Ja ... was ist ... was wünschest du?“

Es war immer ganz Nebensächliches, Unwichtiges — Karla aber klopfte das Herz bis in den Hals, und sie dachte manchmal daran, sich einzuschließen. Aber das wagte sie doch nicht.

Ihr Verkehr brauchte wahrlich nicht unter Aufsicht zu stehen. Wer kam denn zu ihr? Der kleine Goldbeck allenfalls — ihr Korrepetitor, der von irgendwo an der russischen Grenze eingewandert war, sich durchgehungert, durchgebettelt hatte, voll Musik in Kopf und Fingern steckte, sich scheu an der Hochschule hatte vorbeidrücken müssen, weil er weder Geld noch Zeit noch Freunde gehabt hatte; der, was er konnte, gleichsam mit der Luft eingesogen hatte, die ihm aus den Toren zuströmte, hinter denen Musik gemacht wurde.

Kam noch Vicki, mit ihrem Bodo Völkel in jedem ihrer Seufzer, jedem Augenaufschlag, oder Fritz mit seinem Kadettenüberschwang oder Alwin Maurer ...

Der kam freilich öfter, als sie je geglaubt hätte, der liebe, gute Alwin, nahm sich ihrer „gottssträflichen Unbildung“ an, wie Luise sagte. Was ihr nicht angeflogen war, das wußte sie nicht, und von dem bißchen Schulbildung hatte sie auch mehr vergessen, als behalten.

Es war Alwin Maurer eine innige Freude, sie mit Büchern zu versorgen, deren bedachtsam und liebevoll gewählte Reihenfolge Karlas Wissen erweiterten.

Noch dämmerhaft zwar, aber doch mit starkem Instinkt begann sie den Zusammenhang zu fühlen, der alle Künste als die Ausstrahlung eines einzigen großen, schöpferischen Gedankens vereinigte, und ein ihr noch ganz neues Gefühl für das Schöne in jeder Art und äußeren Gestalt regte sich lichtstrebend aus dem Dunkel ihres unentwickelten Geistes.

Dr. Alwin Maurer aber vermeinte, so einen Teil der Dankesschuld abzutragen, die das rücksichtslose Fordern seiner Frau auf ihn gehäuft hatte. — — —