Und wie sie herauskam — nichts Gemachtes, nichts Hoheitsvolles — auch nichts Herausforderndes war an ihr. Ein einfach lieber Mensch kam daher, der dankbar war für die Begeisterung, die man ihm entgegenbrachte ...

So empfand es auch Alwin Maurer und konnte es doch nicht über sich gewinnen, ihr zuzuklatschen wie ein Fremder.

Vicki stand abgewendet vom Podium — ihre Augen suchten in all dem Lärm und Rufen und Klatschen nur einen. Mochte die Mutter — wenn sie erfuhr, daß sie mit dem Vater zum Konzert gegangen war — sie schelten, sie schlagen, diese eine letzte Gelegenheit, ihn zu sehen, mit ihm zu sprechen, mußte sie ergreifen. Ein letztes, einziges Mal mußte sie sich an ihn klammern, ihn an ihre Liebe erinnern ... Was wußte sie auch mit ihren achtzehn Jahren von Männern, die für den Hund des Nachbarn mehr Gefühl haben als für die Frau, die ein abgeschlossenes Kapitel in ihrem Leben bedeutet!

Sie stieß und ruderte sich hindurch zwischen den vielen Menschen, wie geschützt durch den Aufruhr der Begeisterung, durch den tosenden Lärm.

Und nun stand sie vor ihm.

„Bodo ...“

Flammender Zorn brach aus seinen dunklen Augen.

„Was wünschen Sie ...?“

Sollte das nie aufhören — nie? Sollte sie immer das Recht haben, ihn aufzuspüren? — War das der Dank für die Schonung ... den letzten liebevollen Brief? — Was wollte, was hoffte, was glaubte sie? Hatte er ihr nicht hundertmal das Einmaleins des Lebens vorgerechnet, hatte er ihren Zärtlichkeiten nicht gewehrt bis zur äußersten Möglichkeit — mußte er eine Ballbekanntschaft, ein paar Stelldicheine, ein paar leichtsinnige Liebesworte büßen bis an sein Lebensende? — —

„Was wollen Sie noch?“ fragte er rauher, roher noch als das erstemal.