Da senkte sie den Kopf und faltete stumm die Hände, lieferte sich ihm aus, seinem Zorn, seiner Rache — ergeben, bedingungslos.
Ein Zittern überflog seine Gestalt, seine Nägel krallten sich in seinen Handrücken ein. Keine schamlose Maitresse, keine aufdringliche Liebeswerberin stand da vor ihm — ein junges, keusches Geschöpf, ein kleines, hilfloses Mädchen, das ihm noch einmal sein Herz hinhielt, sein zuckendes, blutendes Herz ...
„Du wolltest meine Briefe nicht mehr öffnen — darum mußte ich dir’s sagen: meine Mutter hat deinen letzten Brief gefunden ... Ich weiß nicht, was jetzt werden soll ...“
Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn, und einen Augenblick war es ihm, als müßte er sich hier, mitten unter den Menschen, auf sie stürzen.
„Du solltest doch ... keinen Brief solltest du nach Hause mitnehmen ... Ich habe es dir doch verboten ... verboten ...“
Er schrie es fast laut heraus. Er hätte sie geschlagen, wenn sie irgendwo allein einander gegenübergestanden hätten.
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich konnte es nicht ... ich hab’ sie alle ... deine Briefe ... deine lieben Briefe ... Keiner fehlt ... Jetzt werden sie verlangen, daß du mich heiratest ... aber ich werde ...“
Er packte sie am Handgelenk, sah ihr in die Augen, haßerfüllt.
„Ich werde ‚nein‘ sagen,“ kam es mühsam über ihre Lippen, „das verspreche ich dir ... nein ... du sollst wissen, daß ich dich wirklich liebhabe ... wirklich ...“