„Pssst ..!“

Ein paar Leute drehten sich nach ihnen um.

„Rücksichtslosigkeit ...!“

Vicki blieb wie erstarrt, mit halbgeöffnetem Munde stehen. Nichts, was das Leben ihr auch bieten oder versagen würde, konnte der Tragik und Größe dieses Augenblicks gleichkommen. Mit achtzehn Jahren hatte sie den Gipfel all dessen überstiegen, was es für ein Frauenleben an Heldentum und Demut gab!

Oben auf dem Podium sang Karla König ein süßes Wiegenlied. Sie hatte gelernt, Lieder singen — den Frauen wurden die Augen dabei feucht.

Vicki war es, als hielte sie dort oben ihr Herz in ihren Händen, als wiege sie es ein: „Schlaf, mein Kind, schlaf ...“

Als sie aufblickte, war Bodo Völkel verschwunden. Da fiel sie hin, zwischen die Stühle und Menschen — ganz lautlos und bescheiden. Der Vorhang hatte sich über dem größten Akt ihres Lebens gesenkt. — —

Karla war durch kein Toben mehr zum Wiedererscheinen zu bewegen. Vom Podium aus hatte sie das Zusammensein Vickis mit Bodo Völkel und ihr Umsinken bemerkt.

„Die Tochter meines Schwagers ist ohnmächtig geworden ... mein Schwager ... ja, dort in der sechsten Reihe ... der Herr im Gehrock mit dem kurzen, blonden Bart und dem welligen Haar ... kleine Glatze, ja ... Das junge Mädchen liegt dort auf den Treppenstufen ... ich fahre gleich mit ihnen nach Hause.“

Gaudlitz lief zu Alwin Maurer, setzte ihn mit wenigen Worten von dem „kleinen Unfall“ in Kenntnis, lief zu Vicki, die mit gelösten Zöpfen, totenblaß, wie aus einem tiefen Schlaf erwachend, um sich blickte, und führte sie aus dem Saal.