Karla schüttelte den Kopf; auch sie sah blaß und zu Tode erschöpft aus.

„Was ist da zu sagen, mein guter Alwin ... Die eine trifft’s früher, die andere später — Kummer und Tränen hängen wohl immer an so was, und wer es gut meint, der rührt nicht daran!“

Alwin Maurer war hellhörig geworden in der letzten Zeit. Erschreckt blickten seine fettumpolsterten Augen aus dem grauweißen Gesicht.

„Karla!“ ...

Sie hüllte sich fester in ihren Pelz und warf sich zurück in das Dunkel des Wagens. Sehr langsam, mit tief gebeugtem Haupt, stieg er die Treppe wieder hinauf.

Da fuhr sie nun, die große Karla König, der Tausende eben zugejubelt hatten, die große Primadonna, der die Pferde ausgespannt worden waren und auf die ein Regen von Gold und Edelsteinen niedergerieselt war ... fuhr nach Hause, einsam, mit schmerzlichen Gedanken, in ihre kleinbürgerliche Wohnung, in der sie sich nie heimisch fühlte, zu einem ewig schulmeisternden Mann, zu einem Kinde, das eifernde Herrschsucht ihr fernhielt, zu Sorgen aller Art, die sein — Alwin Maurers — Haus ihr noch aufgebürdet hatte ... saß in dem Wagen eines fremden Mannes, der ...

Alwin Maurer fuhr sich erregt durch sein stellenweise schon graublondes Haar. Er hatte den Blick des Mannes aufgefangen, als er Karla in den Wagen geholfen hatte ... und ihren Blick ... so vertrauend und dankbar und lichterfüllt ... Nein, nein ... wer es gut meinte, der rührte nicht daran ... nie ...

Und jetzt erst fiel ihm Vicki ein — Aber die war ja noch so jung ... und sie war Adelens Tochter ...! Ernstlich um sie bangen, das — brauchte er wohl nicht ... ein kleiner Liebeskummer.

Er zog die Wohnungstür hinter sich zu — ganz leise. Wenn Adele heftig zu dem Mädel wurde, dann ... dann war er auch noch da ... Aber es war still im Gang. Er lauschte an Vickis Zimmertür, hörte leises, ersticktes Schluchzen und die Stimme seiner Frau:

„... So sei doch vernünftig ... es wird ja alles gut ... wozu bin ich denn da? ... Alles wird gut ... das mach’ ich schon!“