„Die Fürstin Reichenberg ... aus Wien ... mein Gott ... die Schwester vom Grafen Gaudlitz ...“

Sie hatte es eigentlich nicht sagen wollen, aber nun war es ihr herausgerutscht. Auch kein Unglück.

Luise ging zum Bruder ins Zimmer:

„Findest du das richtig, Ernst, eine Schwester vom Grafen Gaudlitz schickt nach Karla ... kennt sie gar nicht und schickt ihren Wagen, sie zu holen?“ ...

Altmann bemühte sich, ruhig zu scheinen.

„Ich werde nachher fragen, was das für eine Bewandtnis damit hat ... Laß nur — ich werde nachher fragen. Kannst du mir die Kleine ein bißchen mitgeben, ich will eine halbe Stunde an die Luft ...?“

„Ja ... gleich.“

Luise war nicht ruhig. Schmerzchen fühlte es, wie kurz und hart Tante Lis’ Bewegungen waren. Tante Lis war böse ... es war gut, daß sie mit dem Papa ausging!

Altmann war dieser Ausgang nur ein Vorwand; er mußte die üble Laune niederdrücken, die Luisens Worte in ihm erweckt. Luise war zu schroff in ihren Ansichten. Er sah Karla gewiß nichts durch die Finger, aber eine gewisse Bewegungsfreiheit mußte er ihr lassen. Das verlangte ihr Beruf. Ihm lag auch nichts daran, überallhin mitzulaufen und im Schatten ihrer Erfolge zu stehen. Es kam vor, daß man „Herr König“ zu ihm sagte — das paßte ihm nicht. Und er konnte auch nicht jeden anpöbeln, der in der Eile seinen Namen überhört oder vergessen hatte!

Die Schwestern hatten darum schon mehrfach darauf gedrungen, daß sie sich Karla Altmann nannte und auch so auf dem Zettel stand. Er wollte die Angelegenheit endlich mal ordnen. Erst schriftlich mit Karla und dann im Theater ... Schon des Kindes wegen.