Aber was den Besuch betraf ... so war es besser, er sagte vorläufig nichts. Es war noch immer Zeit, einzuschreiten, wenn sich die Dinge nicht nach seinem Wunsche entwickelten.
Altmann wurde vorsichtig. Das Behagen des eigenen Heims hielt ihn umsponnen. Er setzte eine gewisse Fülle an, war noch gemessener in seinen Bewegungen geworden, breiter in den Schultern. Wer ihn mit Schmerzchen an der Hand traf, mochte denken — ein älterer Onkel. Auch seine Art war so. Er verargte es Luise eigentlich, daß sie den Finger auf wunde Stellen drückte. Er wollte gern in Frieden mit Karla leben, wollte das späte Glück, das das Schicksal ihm geschenkt hatte, nicht leichtsinnig untergraben.
Er kam nach Hause, als es höchste Zeit zum Essen war. Er sagte leichthin: „Ich hörte, du bist eingeladen .. bei einer Fürstin Reichenberg aus Wien? Sehr schön — komm nur zum Abendbrot nach Hause ... nicht wahr ...“
„Aber selbstverständlich — es ist ja nur ein kurzer Besuch. Die Fürstin wird mir vielleicht ein Gastspiel in Wien verschaffen ... das wäre doch was!“
Pünktlich um vier Uhr meldete die Hupe das Eintreffen des Wagens. Schmerzchen war mit Luise im Tiergarten. Karla ging zu ihrem Manne hinüber.
„Potztausend, hast du dich schön gemacht ...“
Es klang ein wenig ironisch. Sie wurde rot.
„Die Wiener Damen sollen ja so schrecklich elegant sein ...“
„Schon gut, liebes Kind, es war kein Vorwurf. Unterhalt’ dich gut. Um acht bist du dann wieder da.“
Anders wäre ein kleines Mädchen, das zu einer Freundin ginge, auch nicht entlassen worden. Aber Karla überhörte alles und verglich nichts. Sie hielt ihrem Manne die Wange hin, küßte ihn flüchtig auf die Stirn und lief beinahe hinaus. Ihr malvenfarbenes leichtes Seidenkleid bauschte sich im Zugwind, ließ das weiche Gefältel eines weißseidenen Unterrocks und den hohen Rüst ihrer hellbeschuhten Füße sehen. Eine Handvoll Nelken, die an ihrem Gürtel befestigt waren, strömten ihren starken, herben Duft aus.