Und der Duft blieb noch lange in dem Zimmer zurück — so lange, daß Altmann sich umsah und es nicht begreifen konnte. Da erblickte er eine der dunkleren Nelken, ohne Stiel — flach ausgebreitet mitten auf dem Teppich. Wie Blut sah es aus, das geronnen wäre.
Er hob die Blume auf, damit kein Fleck entstehe, wenn jemand darauf träte, und weil er nichts so haßte wie Unordnung. Er wollte sie in den Papierkorb werfen. Aber im letzten Augenblick besann er sich, zog das Schreibtischfach heraus und warf sie hinein — hastig und verlegen.
Die Fürstin Reichenberg kam Karla im Garten entgegen, leicht gestützt auf einen weißen Stock mit kleinem Goldknauf. Sie trug ein ganz einfaches weißes Leinwandkleid mit einem großen, handgestickten Umlegekragen aus blauem Batist, der den Ansatz eines schlanken, sehr weißen Halses sehen ließ.
Sie hatte wundervolles mattblondes Haar, das in großen natürlichen Wellen tief über ihre hohe Stirn und die Ohren fiel. Ihr Gesicht war nicht eigentlich hübsch, aber aus den blauen Augen sprachen Güte und Klugheit. Sie streckte Karla von weitem eine sehr weiße, nervige Hand entgegen, deren vierten Finger nur ein einziger großer Perlenring zierte.
„Das ist aber lieb!“
Ihre Sprache hatte einen ganz leichten österreichischen Tonfall. Ihre Bewegungen waren rasch, zwanglos und von vollendeter Anmut.
Karla wollte sich über ihre Hand beugen. Die Fürstin entzog sie ihr lachend.
„Seh’ ich schon so alt aus? Nein, nein — das wollen wir nicht einführen. Erlauben Sie, daß ich mich ein wenig auf Sie stütze — mein Fuß will noch nicht recht ...“
„Stützen Sie sich, gnä .. Durchlaucht ... stimmt’s, Frau Fürstin?“
„Lassen wir’s bei ‚Fürstin‘ — der Kürze wegen. Vielleicht kürzen wir das Verfahren noch mehr ab mit der Zeit ... wenn wir Sie erst in Wien haben, wie?“