Er zog ihre Hand an seine Lippen mit kurzem, festem Druck.

„Sie sind nicht allein und werden nie allein sein, liebste Frau Karla, nie — solange ich ...“

Ihre Augen trafen sich, und der Satz blieb unvollendet. Karla stieg das Blut heiß in die Schläfen, und hastig entzog sie ihm ihre Hand.

Er sah auf die Uhr.

„In einer Stunde hole ich Sie ab, liebe gnädige Frau, darf ich?“

Sie nickte. Der Hals war ihr wie zugeschnürt. Wie gut war es von ihm, jetzt fortzugehen ... Sie hätte nicht gewußt, was sie ihm weiter hätte sagen sollen. Unheimlich war das, wie da plötzlich ein wildfremder Mensch einem innerlich so nahe rückte, daß man es kaum noch merkte, wenn die Hände einander berührten — —!

Aber eine Stunde später hatte alle Spannung nachgelassen. Sie hatte ein Jackenkleid aus weißem Tuch an und eine rote Strohkappe, die ihr Haar fest umschloß.

Und sie sprachen auch nur noch von heiteren, harmlosen Dingen, von freundlichen Zukunftsplänen.

Es machte ihr Spaß, ihm zuzusehen, wie kräftig er mit den Rudern auslegte. Im grellen Sonnenlicht sah er nicht so jung aus wie damals bei der ersten Begegnung im Dämmer des Tiergartens oder im Abendlicht des Konzertsaales. Sie sagte es ihm. Da lachte er, und wieder blitzte es wie erste Jugend über sein jetzt gebräuntes Gesicht.

„Jugend ist Ausdruck“, sagt meine kluge Schwester Alice. „Sie, zum Beispiel, liebe Frau Karla, sehen manchmal aus, als wären Sie zwanzig Jahre alt, und das kaum!“