„Dabei bin ich bald dreißig ...“

„Das sagt man doch nicht! Hat ein Mensch je einen solchen Unverstand erlebt: eine Primadonna, die ihr Alter sagt?! Lassen Sie das nur in Wien nicht hören, Sie schrecklich aufrichtige Frau!“

Sie lachten nun beide, und er meinte:

„Ich freue mich, daß wir wenigstens in Einem recht nahe nebeneinanderstehen: ich bin dreiunddreißig.“

Ihr fiel ein, daß Altmann im Juni seinen fünfundvierzigsten Geburtstag gefeiert hatte. Sie lebte überhaupt unter viel älteren Menschen — Luise war an die fünfzig, Adele siebenundvierzig ... der gute liebe Alwin schien noch weit älter, als er war ... Es tat gut, einmal mit jemand Gleichalterigem zusammenzusein!

Die Jacht erfüllte Karla mit staunendem Entzücken. Gaudlitz führte sie überall umher, von der Küche bis zu seiner Schlafkabine, die mit der ziemlich großen Salonkabine verbunden war. Fünf hübsche Gastkabinen, von denen zwei für Damen eingerichtet waren, lagen dicht nebeneinander. Die größte war in hellem Holz gehalten, mit Feldern aus altrosa Brokat. In gleicher Farbe und mit gleichem Stoff waren die Sessel und das Bett überzogen.

„Hier wohnt meine Schwester, wenn sie mitfährt. Ich hole sie übrigens mit Mann und Kind in Kopenhagen ab. Mein Schwager und der Junge erfreuen sich nicht der besten Gesundheit. Der Arzt besteht auf Höhen- und Seeluft in lieblicher Abwechslung. Der Junge ist immer todkrank auf dem Wasser, mein Schwager kann Feuchtigkeit nicht vertragen und leidet an der Bergkrankheit. Aber sonst ist alles in Ordnung. Meine arme Schwester hat’s auch nicht immer leicht ...“

Es sollte wie ein Trost klingen. Aber Karla merkte, daß ihm selbst die Jachtreisen auch nicht immer die reinste Freude bedeuteten.

Auf Deck stand der Kaffeetisch bereit.

„Ich habe den Kapitän dazu gebeten — Sie haben doch nichts dagegen? .. Ein prachtvoller Kerl, der vielfach Schiffbruch gelitten hat und sich jetzt mir zur Verfügung stellt — solange es ihm paßt.“