Karla mußte an Kapelle denken. Das war auch so einer gewesen.

„Das sind die Besten“, sagte sie mit tiefer Überzeugung.

Er blickte sie überrascht an.

„Ja ... wissen Sie das auch?“

Was war sie doch für ein liebes, vernünftiges Menschenkind, diese Karla König ... Wenn die frei wäre ... so ganz frei .. Donner .. ja ... „Du bist nicht recht gescheit“, hatte ihm seine Schwester schon einmal gesagt — —

Nein, nein ... er war gewiß nicht „recht gescheit“! Aber wen ging das was an? Auf wen brauchte er Rücksicht zu nehmen?

Alice hatte ihm von dem Traum Karlas erzählt: dem langen Tisch mit den Kindern ringsherum ... Da war es über ihn gekommen wie eine Erleuchtung. Das war es wohl, was ihn so hinzog zu ihr — dieses Mutterhafte. Auch in ihrer Stimme lag es ...

Nicht um ihr den Hof zu machen, hatte er sie in dem verlorenen kleinen mecklenburgischen Nest aufgesucht, sondern weil die Sehnsucht nach ihr ihn so stark gefaßt hatte, wie nach einem Trunk Quellwasser bei brennender Hitze. Er hatte schöne Frauen in allen Ländern gekannt, hatte geliebt und war geliebt worden, ohne eigentlich ein Fraueneroberer zu sein. Der Knoten seiner Liebeserlebnisse hatte sich stets ohne Anstrengung geschürzt, ohne Schmerz gelöst. Seine Schwester hatte sich mehrfach Mühe gegeben, ihn zu verheiraten — immer vergebens. Die Frau war ihm bisher nie mehr gewesen als ein kurzes Begehren oder dankbares Erwidern.

Es war das erstemal, daß in ihm das Bedürfnis nach einer Ergänzung seines Ichs erwachte. So ließ er sich treiben von seinem Empfinden, wie er sein Fahrzeug vom Winde treiben ließ ...

Das große Wasser schluckte den flammenden Sonnenball, als Gaudlitz und der Kapitän Karla heimruderten. Karla empfand es dankbar, daß Gaudlitz weiter kein Alleinsein mit ihr herbeigeführt hatte. Das gab ihrem Wesen fröhliche Sicherheit, ihrer Seele freien Schwung.