Luise nahm ihr alles — das Kind, den Mann ... löschte sie selbst aus ... ganz sachte; ohne es zu wollen vielleicht, nein, gewiß; ohne es zu wollen — aber jeden Tag mehr, immer mehr, machte sie überflüssig — ließ sie nur gelten, weil sie die Stimme hatte, die Mann und Kind ein leichtes, sorgenfreies Leben gewährte ... Aber auch das mochte kaum bewußt sein ... es war nur so und drängte sie, die Mutter, die Frau, sanft aus dem Bereich ihres häuslichen Wirkens, ihrer Frauenrechte ...
Seltsam, wie diese Erkenntnis wirkte. Es war kein Schmerz und kein lodernder Zorn, wie damals in Brasilien ... nur wie ein kalter Hauch zog es durch ihre Seele, vereiste ihr sonst so heißes Empfinden ...
Sie stand auf.
„Laßt euch nicht stören,“ sagte sie freundlich, „— ich bin müde und will mich niederlegen.“
Altmann blickte auf.
„Verzeih’ .. ja .. ich hatte vergessen .. selbstverständlich ... wir können übrigens auch morgen —“
Aber Karla wiederholte, ebenso freundlich, nur mit einer an ihr fremden Bestimmtheit:
„Nein, bitte ... laßt euch nicht stören ... gute Nacht, Luise.“
Leise schloß sie die Tür des Schlafzimmers hinter sich zu.
Altmann strich ein paarmal nervös über die Seiten des Buches. „Schade ...“