Genau wußte man sein Alter nicht, aber man gab ihm mehr Jahre, als er hatte.

Eines Tages kam er Arm in Arm mit Karla König zur Opernprobe und stellte sie als seine „Braut“ vor.

Der Direktor gratulierte lau.

Eine halbe Stunde später ließ er sie in sein Bureau kommen.

„Hast du den Verstand verloren, Mädel?“ — So empfing er sie.

„Aber ...“

Sie blickte ihn ganz verschüchtert an und versuchte vergeblich, den Kragen ihres Kleides zu schließen, den sie beim Singen während der Probe gelockert hatte.

Sie war für ihn das kleine Mädchen, das er rücksichtslos anschnauzte, wenn es sich was zuschulden kommen ließ. Aber sie war auch seine „Entdeckung“, auf die er stolz war.

Streng hielt er sie. In eisernen Klammern. Hungergage. Aber erste Partien. Einmal, während der Lohengrinprobe, wurde sie ohnmächtig. Seitdem schickte er ihr aus einem guten Speisehaus an Tagen, da sie Wagner sang, reichliches Essen.

Ihr Brustkasten war noch zu schmal. Aber „Singen entwickelt“. In ein paar Jahren war sie eine allererste Kraft. Ein Geschenk, das er der Musikwelt machte. Er hielt sie mit Vorliebe am Arm, tastete mit seinen behenden und erfahrenen Fingern die Zunahme einer ersprießlichen Rundung ab.