„Sag’ mal, Mädel, bist du ganz von Gott verlassen? Mit dem Altmann, dem Ernst Altmann, verlobst du dich ...? Hat’s gebrannt? Was hast du an ihm gefressen?“

Sie stand sehr verwirrt und sogar ein bißchen erblaßt zwischen den roten, grauschimmernden Samtsesseln. Was sollte sie antworten? Sie wußte selbst kaum, wie alles gekommen war. Altmann hatte sich vor einem halben Jahr erboten, ihr Sprechunterricht zu geben, sie Vortrag zu lehren.

„Man versteht Sie nicht, Kleine ... Schade um Ihre Stimme. Zahlen brauchen Sie nicht. Als Kollege ...“

Also war sie in seine zwei möblierten Stuben gekommen, verschüchtert auch da. Aber lerneifrig und von verblüffender Auffassungsfähigkeit. Wie verwandelt war sie in den abgeleierten Partien. Die schalen, alten Worte gewannen neues, heißes Leben.

Altmann drückte beim Direktor eine kleine Erhöhung ihrer Gage durch, und vor der Stunde setzte er seiner Schülerin ein Glas Milch vor und dickbelegte Stullen. Wenn sie recht satt war, sang sie hinreißend. Mit der Leidenschaft eines erfahrenen Weibes.

Er mußte dämpfen. Wie ein junges, wildes Tier war sie, das er an die Kette legen mußte, damit es ihn nicht umwarf und zu Schaden brachte. Abends zur Vorstellung ließ er es los und hetzte es auf das Publikum.

Wenn sie mit leuchtenden Augen, froh wie ein müdgespieltes Kind, den Nachhall des brausenden Erfolges noch im Ohr, aus ihrer Garderobe trat, stand Altmann wartend vor ihr.

„Wie war’s?“ fragte sie scheu und stolz.

„Schlecht. Hundeschlecht. Knöpf’ die Jacke zu — du erkältest dich noch.“

Er duzte sie nach Theaterart. Hauptsächlich, weil er ihr Lehrer war.