In seiner Stimme lagen Sorge und Groll. „Die Esel draußen“ verdarben ihm das Mädel noch, wenn das so weiterging mit dem blödsinnigen Herausrufen und den überschwenglichen Besprechungen unverwöhnter Provinzliteraten. Dann wurde sie größenwahnsinnig und verkam. Also — dämpfen.

Und während er ihr haarscharf auseinandersetzte, wie unklar und überhastet sie die Arie des zweiten Aktes gebracht, wie ausdruckslos sie in der Sterbeszene des Finale gewesen, wie matt ihr „Für dich, Geliebter!“ geklungen, während er ihren Gang, ihre Armbewegungen unbarmherzig bekrittelte, folgten auf der anderen Seite der Straße Gymnasiasten, Ladenfräulein, junge Polytechniker und Musikschülerinnen ihrem angebeteten Liebling, Karla König, bis zur nächsten Straßenecke.

Dort riefen sie: „Hoch Karla König! Hoch!“ und stoben auseinander. Durch die Nachtluft sausten ein paar Sträußchen, halb versengt von den heißen Fingern, die sie den Abend über krampfhaft gehalten.

Sie wagte es nicht, sich nach den Blumen zu bücken; und er stieß sie mit dem Fuß achtlos zur Seite. Das Herz klopfte ihr zum Zerspringen, sie hielt mit Mühe die Tränen zurück.

„Was ist denn? Bist du beleidigt, weil ich dir die Wahrheit sage? Wenn du willst — gehe ich morgen in den nächsten Laden und kaufe dir den schönsten Blumenkorb. Aber dann auch — Adjö! Na — so sprich doch ...“

Sie hatte Hunger. Ganz gemeinen Hunger. Wie immer nach der Vorstellung. Er wußte, was sie bei ihrer Wirtin erwartete: zwei dünne Scheibchen mit harter Wurst oder Käse belegt.

„Komm zu mir ’rauf — wir essen zusammen.“

Es war nicht das erstemal. Ins Wirtshaus ging er nicht mit ihr. Sie sollte nicht die üble Luft und den Zigarrenrauch einatmen.

Er selbst hatte überdies starke häusliche Instinkte. Seine Wirtin war gut abgerichtet und der Tisch gut bestellt bei ihm. Er brauchte nur ein Gedeck mehr aufzulegen, es langte für mehr als für zwei.

Und sie ließ sich nicht bitten. Ging mit, biß ein, mit blitzenden Zähnen, während er ihr zusah, nachdenklich und fast ein wenig gerührt. Allmählich suchte sie, es ihm gemütlich zu machen: stellte das Wasser auf in der Küche, bereitete ihm Grog oder Tee, strich ihm die Butter aufs Brot.