Altmann streckte sich und weitete die Brust. Er empfand Genugtuung, ehrliche Befriedigung. So weit war die kleine König aus Kiel doch gekommen! Ob auch ohne ihn ...?

Allen schwebte es in diesem Augenblick auf den Lippen, dieses „die kleine König“. Nicht neidlos bei Adele, tief dankbar für den Bruder bei Luise.

Nur Alwin Maurer erkannte mit leiser Freude all die Einflüsse und Strömungen, aus denen dieser prächtige, frische Mensch, diese wundervolle Künstlerin, ihre Lebenskraft geschöpft hatte. Altmann ... ja gewiß. Er hatte die erste grobe Arbeit getan, das Gold von den Schlacken gereinigt — aber war es dann nicht dieser Sonderling Kapelle, der Karlas gefahrvolle Laufbahn in ehrenvolle Bahnen geleitet hatte? War er selbst es nicht gewesen, der ihr inneres Leben zu feinerem Bewußtsein geweckt hatte, und war dann nicht noch einer gekommen, der ihrer Kunst die tiefste Innigkeit gegeben, durch das Erwecken einer starken, keuschen Empfindung — —?

Sie alle zusammen hatten der Welt dieses köstliche Geschenk gegeben, das den Namen Karla König führte, und sie alle mußten es ertragen, daß sie keinem von ihnen, sondern eben der Welt angehörte, für die sie sie geformt hatten ...

„Warum siehst du mich so an?“ fragte Karla plötzlich den Schwager, und ihre Gabel, mit der sie ein Stück Schinken aufspießte, blieb in der Luft stecken.

„Du bist des Ansehens und Nachdenkens wert, Karla“, sagte Alwin Maurer, mit einem Versuch, zu scherzen.

Aber ihre Augen blieben hängen an ihm.

„Wie müde du aussiehst, Alwin .... Nicht wahr, Adele, nicht wahr, Ernst, er sieht elend aus ... er muß etwas für sich tun.“

„Ja ... das müßte er“, sagten die Schwestern wie aus einem Munde, mit dem gleichen, dumpfen Klang der Stimmen.

„Du hast heute Besseres zu denken, als dir über mich Sorgen zu machen“, meinte Dr. Maurer.