Eines war ihm jedenfalls klar, und nicht von heute: mit seinem leeren, müßigen Leben durfte er zu Karla nicht kommen. Er wußte, was er zu tun hatte, und würde es schon mit der ihm eigenen raschen Entschlossenheit ausführen. Der alte Verwalter auf seinem Gute Pinnow würde ihm der beste Lehrmeister werden! Inzwischen besuchte er noch land- und volkswirtschaftliche Vorlesungen, ackerte die einschlägige Literatur durch. Dann machte er die Runde bei den alten Herren, den Freunden seines Vaters, die alle auf ihrer Scholle saßen. Seinen Wandertrieb hatten sie immer mißbilligt. Seine neuen ernsten Pläne würden sie erfreuen. Er stand gerade vor dem Telegraphenamt. Und seiner Eingebung folgend, die froh und stark war, schickte er als erstes Lebenszeichen seit langen Wochen die Depesche an Karla:
„Wie und wo immer — ich werde warten.“
Ohne Unterschrift, ohne Gruß, ohne Bitte um Antwort.
Schmerzchen war die Erste in ihrer Klasse. Ihre Hefte waren am besten gehalten, ihre Aufgaben wußte sie am sichersten. Sie hatte eine Art, die Lehrerin anzusehen, die wie ein Zwang wirkte, nur zu ihr zu sprechen.
Denn Schmerzchen, die es von Hause aus gewöhnt war, Hauptperson zu sein, wollte in der Schule nichts von ihrem Rang einbüßen.
Schmerzchen hatte hochentwickeltes Ehrgefühl und war unbeschreiblich eifersüchtig, aber sie war auch verschlossen und schwer zu gewinnen.
Sie hatte keine Freundin und litt darunter. Aber sie konnte sich nicht entschließen, ihren Arm um ein Mädchen zu schlingen, das sie nicht wirklich liebhatte. Zum Liebhaben kam es aber nicht, weil sie für hochmütig galt und als „Musterschülerin“ verschrien war.
Ihren Versuch, einen häuslichen Verkehr anzubahnen, gab sie bald auf, obwohl Tante Lies für die besten Kuchen und die herrlichste Schokolade gesorgt hatte.