Die Mädchen waren zu neugierig und albern mit ihren Fragen; sie wollten es gar nicht begreifen, daß ihre Mama nicht bei ihr war, sondern im Ausland lebte. Und überhaupt — eine Mama, die am Theater war ... Schauspielerin ....
„Sängerin ist meine Mama, nicht Schauspielerin“, sagte Schmerzchen mit stolzem Zurückwerfen ihres Köpfchens.
„Ach, das ist doch egal“ ...
Alle bürgerlichen Instinkte dieser kleinen Dinger krochen an die Oberfläche. Abgeschmackte und aufgeschnappte Redensarten sprudelten über ihre unschuldigen Kinderlippen, machten sie welk und alt.
Die einen fanden das interessant, himmlisch, suchten Schmerzchen zu kicherndem Gespräch in einen Winkel zu locken; die andern rümpften die Nasen, renommierten:
„Mein Papa ist Hauptmann“, oder: „Mein Vater ist Geheimrat“, oder: „Meine Mama nimmt mich immer mit, wenn sie im Sommer reist!“
Es kam danach vor, daß Schmerzchen sich die Bilder ihrer Mama ansah, eines nach dem anderen. Sie fand ihre Mama wunderschön. Besonders mit dem langen, wallenden Haar auf dem Rücken. Schmerzchen begriff nur nicht, warum das Haar so viel heller war.
Tante Lis sagte, das sei eine Perücke, und zeigte ihr so eine Perücke im Schaufenster eines großen Friseurs.
Seitdem wendete Schmerzchen ihre Vorliebe dem Bilde von Mama zu, das auf Papas Schreibtisch stand. Da war sie nicht so schön, aber sie lachte so nett und hatte so gute Augen und ...
„Warum fahren wir nicht nach Wien? Zu Mama?“ fragte sie einmal, mit jener ernsthaften Plötzlichkeit, die die Erwachsenen im ersten Augenblick immer in Verlegenheit um die Antwort brachte.