Die Altmannschen Damen sprachen nur wenig von ihm, und dann mit gedämpfter Stimme und vornehmer Zurückhaltung.

Die Altmannsche Vornehmheit hatte für den jungen Philologen ebenfalls etwas sehr Bestechendes. Sein Vater war Pastor in irgendeinem schlesischen Bergnest. Viel zu essen gab es nicht in dem mädelreichen Pastorenhaus — aber die Bauern zogen höflich den Hut, wenn sie die Pastorkinder sahen. Man war immerhin was Besonderes. Auch mit knurrendem Magen.

Vielleicht hätte Alwin Maurer im Hinblick auf seine vier Schwestern versuchen müssen, sich eine reiche Braut zu ergattern. Die reichen Bäcker kauften damals gern einen Doktor für ihre Töchter — aber ihm lag das Suchen und Sichdurchbeißen nicht. Der warme Kaffeebrodem im Altmannschen Hause umnebelte ihn, zauberte ihm lichtvolle Bilder einer glücklichen Zukunft vor.

Arme, hausmütterlich veranlagte Mädchen haben hinwiederum oft eine verblüffende Technik des Männerfanges, um die sie die raffinierteste Kokette beneiden könnte. Ihr Appell an die Ehrenhaftigkeit des Mannes nach einem heimlich geraubten Kuß ist von einer Tragik, die auch den Widerspenstigsten bezwingt.

Aber Alwin Maurer war gar nicht widerspenstig. Er hatte kaum seinen Doktor gemacht, als er in die Wohnung, die Möbel, den guten Tisch und den heißen Kaffee einheiratete.

Doch der Philologenhunger war kaum gesättigt, als Frau Altmann starb. Mit ihr schwand die Witwenpension, die dem Hause so wohl zustatten gekommen war. Die magere Lehrerbestallung war nur ein notdürftiger Ersatz. Aber Luise Altmann half mit. Von früh bis spät lief sie in den Straßen auf und ab, gab in dem einen Hause Klavier-, in dem anderen deutschen, in dem dritten Geographie-Unterricht — gründlich und billig. Sie rechnete nicht zu Hause und legte all ihr Verdientes in Adelens Hände. Kaum, daß sie etwas übrigbehielt, um sich eine Bluse oder ein Paar Stiefel zu kaufen.

Nach der Geburt von Adelens zweitem Kind wurde Luisens kleines Hofzimmer — Gemeingut. Der Kinderwagen wurde hineingeschoben, das Dienstmädchen baute dort ihr Bügelbrett auf, die Hausschneiderin häufte Berge alter Kleider auf Luisens Bett und rasselte an der ebenfalls in dem Zimmerchen aufgestellten Maschine. Ob Luise mittags oder abends heimkam, es roch muffig in ihrem Zimmer — nach kleinen Kindern, feuchter Wäsche und alten Stoffen.

Eines Tages erklärte Luise, daß sie eine Stellung als Erzieherin angenommen hätte:

„Ihr müßt Platz haben, Kinder.“

Vielleicht hatte sie gehofft, man würde ihr abreden, sie nicht fortlassen. Aber man bewunderte sie nur.