Da strafften sich seine Glieder, und seine Mundwinkel zogen sich herab wie im Krampf.

„Auf das Kind mußt du verzichten, solange du hier bist — es ist zart und starken, neuen Eindrücken nicht gewachsen.“

Er sah es ihr an, wie sie losschreien wollte. „Das ist nicht wahr ... es ist nur ein Vorwand!“ ...

Und er wartete darauf. Denn er wollte es zugeben. Ja, es war ein Vorwand! Das Kind gab er nicht her ... Das sollte sie ihm zurückbringen — sollte sie halten an seiner Seite für alle Zeit!

Oder aber sollte ihn mit herführen zu ihr! Er war in diesem Augenblick bereit, Berlin und „seine Leute“ zu lassen — wenn sie nur ein Wort sagte! Nur ein Wort. Luise sollte wieder zu Adele ziehen, sollte sehen, wie sie fertig wurde — er gehörte zu Karla, wie Karla zu ihm gehörte. Sie war die Mutter seines Kindes. Und das Kind mußte sie ihm wieder zuführen — hier oder dort!

Karla löste ihren Arm aus dem seinen. Über der Gloriette mit den lichtumwobenen Säulen funkelte die Herbstsonne. Gelbe Blätter rieselten von den Bäumen, und der Himmel wölbte sich blaßblau, mit violetten Schatten über der fernen Stadt.

Von irgendwo klang übermütiges Lachen. Eine junge Männerstimme rief: „... ich werde warten ... war—ten ...!“

Karla fuhr zusammen. Es war nur ein Wort — ein Klang — ein Bild. — Dort oben im Pommerschen saß auch einer, der wartete ... wartete auf sie.

Und sie liebte ihn.

Nie hatte sie es so gefühlt wie jetzt. Und dabei stammelte sie: „Du kannst mir doch mein Kind nicht vorenthalten ... mein Kind!“