„Nächsten Sommer singe ich in Bayreuth — weißt du das schon?“
Sie sagte es sehr feierlich. Was gab es denn auch Größeres für sie als ihr Kind, ihre Liebe und Bayreuth?!
Es waren die Gipfelpunkte ihres Lebens, um die all ihre Sehnsucht, alle ihre Gedanken kreisten. Bayreuth — das hatte sie noch erleben wollen — bevor sie dem Warten Erfüllung gab.
Bayreuth sollte ein Abschied und ein Wiedersehen sein — ein glanzvolles Ende und ein seliges Beginnen!
Aber sie brachte nichts von alledem über ihre Lippen.
Er sah ihre Bewegung. Deutete er sie richtig oder falsch —? Er ergriff ihre beiden Hände, drückte sie an die Lippen und ging.
Sie rührte sich nicht, lehnte totenbleich an der Wand. Hatte er verstanden? Oder hatte er Hoffnung geschöpft — eine Hoffnung, die sie nicht erfüllen konnte ...?
Die ganze folgende Nacht war er aufgeblieben. Hatte sich zu Ronacher gesetzt und hatte den König-Schampus getrunken, war zu den Schrammeln gefahren und dann von Café zu Café bis zum frühen Morgen. Hatte sich in seinem Hotelzimmer aufs Bett geworfen und war dann abends in die Oper gegangen ... ganz oben, „aufs Paradies“ hinauf, wo die Enthusiasten sich aneinanderdrängten.
Und die verwöhnte Wiener Jugend raste, wie einst die Kieler Jugend, wie die Neger und die Brasilianer gerast hatten.
Aber damals war er es gewesen, der ihre Schritte leitete, sie schützte; jetzt bedurfte sie seines Schutzes nicht mehr, war ihm entwachsen, entflohen ...