„Du dummes, dummes Schmerzchen du ...“
So gab auch er ihr, aus verbissenem Weh heraus, den Namen, den die Mutter ihr gegeben, aus schmerzerfüllter Seligkeit.
Diese letzten Wiener Herbsttage — Karla vergaß sie nicht so bald. Auch ihre Empfindungen nicht, an jenem Opernabend, da sie Mariette de Santos in der Loge erblickt hatte.
Der Theaterdiener brachte ihr die Teerosen in ihre Garderobe, wo bereits ein großer Korb mit Riesenorchideen von John Russel stand.
Sie warf die Rosen der Ankleidefrau zu.
Die zornige Erregung über die Dreistigkeit der in all ihrer Millionenpracht immer noch grisettenhaften kleinen Pariserin überwog fast die Freude über die Anwesenheit John Russels.
Doch er kam zu ihr am nächsten Tage. Halb Freund, halb Geschäftsmann, in alter brutaler Offenheit.
„Well, Karla König ... ich hätte nicht geglaubt, daß Sie noch immer in Gefühl machen, wie man in Berlin sagt. Ich habe die de Santos’ in Paris getroffen, und wir sind zusammen hergereist. Von Paris aus hatten wir telegraphisch die Loge bestellt. Dear me, die kleine Frau hat vor Wut über Sie einen Weinkrampf bekommen im Zwischenakt — sonst wäre ich schon gestern in Ihre Garderobe gekommen. Ich wußte, daß Ihr ... daß Mister Altmann in Berlin geblieben ist. So nahm ich an ... well, wir wollen nicht davon sprechen. Man häutet sich alle sieben Jahre — schöne Frauen sollen sich sogar öfter häuten.“