Karla lächelte und legte ihre Hand in seine Pranke.
„Sie haben es immer nur gut mit mir gemeint. ... Aber das muß ich Ihnen sagen, mit dem Häuten ist es nichts bei mir.“
„Hat auch was Gutes, Karla König ... das macht dickfellig mit den Jahren ... unverwundbar ... Und dann geht’s einem erst recht gut!“
Sie schüttelte leise den Kopf.
Aber John Russel war nicht gekommen, um zu philosophieren. Er kam mit sehr bestimmten Vorschlägen. Wie lange lief der Vertrag mit der Wiener Oper? Bis zum übernächsten Jahr vorläufig? Schön. Dann sollte sie nicht verlängern, nicht anschließend jedenfalls. Ein Jahr sollte sie sich frei halten für die Metropolitan in New York. Im Juni acht Vorstellungen in London. Wenn sie vernünftig wäre, konnte er für das darauffolgende Jahr mit St. Petersburg abschließen. Er bot ihr ein Vermögen.
Aber sie schüttelte wieder den Kopf. Sie war nicht „vernünftig“ in seinem Sinne.
Er lehnte sich zurück in den Sessel und legte die Beine übereinander. Es schwante ihm — das gab eine lange Sitzung.
„Ich muß Ihnen was sagen, Karla König, es ist ja diesmal gut ausgegangen — aber dem Kapelle hab’ ich eins ’reingewürgt. War ja Unsinn mit Berlin. Berlin ist Ende, nicht Anfang. Das eine Mal hat man Sie gehen lassen, ein zweites Mal nicht. Hofoper ist eine Lebensversicherung! Der Tod für den Künstler. Dazu sind Sie zu jung. Ein Name muß rollen. Rauf und runter. Muß Spektakel machen, anwachsen, groß werden von allem, was er angesammelt hat, was an ihm hängen geblieben ist! Sie sagen Bayreuth. Kapelle besauft sich vor Entzücken. Aber ich sage: Bayreuth ist wie ein Orden. Ich biete Ihnen mehr! Ich biete Ihnen Gold. Millionen. Weltruf.“
Karla saß vor ihm in einem einfachen hellgrauen Kleid und hatte die Hände über dem Knie verschlungen. Sie hielt ihre sprechenden braunen Augen unter den kaum angedeuteten, hochgezogenen Brauen beharrlich gesenkt. Nur ihre Wangen brannten und verrieten ihre innere Bewegung.
Sie dachte an Schmerzchen. Dachte daran, daß es ihre Pflicht war, für sie zu sorgen. „Ihr Kind soll das meine sein“, hatte Gaudlitz gesagt .... Wenn aber Altmann die Sorge des fremden Mannes um das Kind, das ja auch das seine war, zurückwies? Welchen Leiden ging sie entgegen, wenn ihr Schmerzchen, ihr erstes, angebetetes Kind, in kümmerlichen Verhältnissen groß wurde, während ihre künftigen Kinder in Reichtum aufwuchsen, auf den Höhen des Lebens wandelten ...?