Er wußte nicht, wohin mit seinen Beinen und seinen Worten — so ernst blickten der Onkel, die Tante und selbst das kleine Bäschen mit den braunen Zöpfen.
Selbst nach der „Tante Karla“ wagte er kaum zu fragen, seit die Antworten so merkwürdig einsilbig gelautet hatten und Vicki ihm unter dem Siegel des Vertrauens einmal zugeraunt hatte:
„Weißt du ... da ist was mulmig ... Daran würde ich in der Landgrafenstraße lieber gar nicht tippen. Bodo sagt, sie wäre jetzt eine ganz große Nummer in Wien — da kann man sich ja denken, nicht wahr? Mir tut nur das Kind leid. Herrgott, hat sie sich mit ihrem ‚Schmerzchen‘ gehabt! Es war wirklich nicht mehr schön — na, und was steckt hinter allen ihren Worten? ... Gar nichts. Das ist eben so am Theater. Mama hat schon ganz recht, wenn sie sagt, daß Onkel Ernst im kleinen Finger wertvoller ist als sie. Ja ... er hat eben der Bühne entsagt und sich ganz der Erziehung seines Kindes gewidmet. Das ist doch gewiß hochachtbar ... da bin ich ganz Mamas Meinung.“
Einmal, zwischen zwei Zigaretten, im Zimmer des Vaters, brachte Fritz das Gespräch auf Karla — schnodderig, ein bischen überlegen.
„Amüsiert sich wohl in Wien, die gute Tante, wie? ...“
Aber er brach ab, als er sah, wie der Vater erblaßte.
„Untersteh’ Dich nicht ... hörst Du ... untersteh’ Dich nicht, in diesem Ton von ihr zu sprechen! Noch ein Mal — und Du kriegst es mit mir zu tun!“
Das junge Blut huschte Fritz über die Stirn. Er stand auf, zupfte an seinem Kragen.
„Bitte gehorsamst um Verzeihung ... es lag mir fern ... es lag mir wirklich ganz fern.“
Innerlich dachte er: Sieh Einer meinen alten Herrn an! Hätt’ ich ihm gar nicht zugetraut! ...