Dr. Maurer sah ihn an, und ein blasses Lächeln überflog sein graues Gesicht. Was aus dem Rüpel doch geworden war! Aus dem „verdammten Bengel“, den er bis zu seinem vierzehnten Jahr in der Furcht des Stockes gehalten hatte. Bis zu dem Tage, da Karla gekommen war und von dem Apothekerssohn erzählt hatte — mit ihrer jungen, warmen Stimme.

Diese Stimme hatte ihm den Stock aus der Hand gewunden ... hatte vielleicht in letzter Stunde den neuen Weg gezeigt, den er als Vater zu gehen hatte. Hatte ihn Milde, Nachsicht, Verständnis gelehrt, hatte ihm einen Kameraden geschenkt in seinem Sohn!

„Gehen wir, Junge.“

Und heimlich, auf Zehenspitzen, damit Adele sich nicht an sie hinge mit Fragen und Einwänden, schlichen sie ins Vorzimmer, holten ihre Mäntel vom Riegel und zogen die Tür leise hinter sich ins Schloß.

Eine Stunde später ging eine Karte ab nach Wien, Kärntner Straße: „Meine liebe Karla! Sitze hier mit meinem Jungen und trinke mit ihm auf Dein Wohl, Deinen Erfolg und Dein Glück. Alwin.“ Und darunter in eleganter, flüchtiger Schrift: „Handkuß von Deinem gehorsamen Neffen und Bewunderer Fritz.“

Als sie heimkehrten, Fritz bereichert um einen blauen Lappen, Dr. Maurer in gehobener Stimmung, sagte er:

„Wollen wir doch wiederholen, die kleine Kneiperei — was, mein Junge?“

„Selbstredend, alter Herr! Wird mir ein Hochgenuß sein ...!“

Und er trug Grüße für Mama auf und verabschiedete sich mit herzlichem Händedruck vor dem Haustor — weil er „nach Küstrin zurückmußte“! ...

In Wirklichkeit hatte er eine Verabredung mit Kameraden bei Hiller. — — —