Aber Gaudlitz erklärte, er müsse gleich wieder zurück aufs Gut. Das könnte ihn jetzt nicht entbehren. Die neuen Maschinen wären gerade eingetroffen, von denen der alte Verwalter nichts hatte wissen wollen. Da gälte es, seinen Willen durchzusetzen. Die Maschinen müßten in seiner Gegenwart zusammengesetzt und aufgestellt werden ... Aber vorher wollte er mit Karla am Tisch und im Hause seiner Schwester ein Glas Sekt trinken.
Das sollte die Weihe sein.
Fürst Reichenberg lächelte sein müdes, ein bißchen ironisches Lächeln. „Sozusagen — die zweite Vorverlobung. Sag’s lieber gleich, Hansel, wie oft du dich noch mit der gnä’ Frau zu verloben gedenkst ...“
Gaudlitz lachte. „So oft ich wiederkomme: im Herbst und im Winter und nächstes Frühjahr ... und so weiter — bis es ans Heiraten geht! Und darauf, daß es bald ist, wollen wir zusammen anstoßen. Denn viel Zeit zu verlieren haben wir nicht mehr. Jeder Augenblick muß ausgenutzt werden!“
Im Wintergarten des Reichenbergschen Palais sagte er ihr noch einmal:
„Keine Minute dürfen wir versäumen. Darum sollst du die Uhr von mir haben. Mir darfst du nicht zu spät kommen — hörst du, mir nicht!“
Es flackerte plötzlich wie eine Unruhe, wie eine Angst in seinen lachenden, blauen Augen auf.
Jetzt, da Karla vor ihm stand, im Hause seiner Schwester, im einfachen Sommerkleid, war sie ihm so nahe, so vertraut. Als hätte er nicht bloß in Sehnsucht an sie gedacht diese endlos lange Zeit, sondern als hätte sie bereits sein Leben geteilt, als wäre sie bereits wirklich durch die großen hellen Räume des großen weißen Hauses geschritten, des Grafenhauses, wie die auf Pinnow sagten. Als hätte nicht nur in seinen wachen Träumen ihre wundervolle Stimme die Halle durchbraust, in der noch ein alter, verstimmter, langer Klapperkasten stand.
Aus dem Holze wollte Gaudlitz eine Wiege zimmern lassen ... Das gab es her. Und an dieser Wiege würde Karla sitzen; ihre Stimme würde über sie fluten, aus dem Schnitzwerk würde es widerklingen. So sollte jedes seiner Kinder von Vergangenheit und Gegenwart träumen in seinem ersten Schlaf, Vergangenheit und Gegenwart einen, durch das Singen der Mutter, das Singen der Wiege ...
Auch ein langer Tisch sollte in der Halle des Grafenhauses stehen ... so ein Tisch, von dem Karla manchmal geträumt hatte ...