Dieses Opfer sollte die Heiligung ihrer Liebe sein.
Die Einladung nach Baden zu einer Dame der ersten Gesellschaft gab ihr bald wieder ihre alte Zuversicht zurück.
Der Kreis hochgebildeter und abgeklärter Menschen, die ihre Bewunderung für Karla mit einem zarten Hauch erlesener Geistigkeit umkleideten, wirkte wie eine Erlösung auf sie nach all dem Schwülen, Traumhaften, Überreizten, kaum Faßbaren der letzten Wochen.
Vielleicht waren es die glücklichsten Stunden ihres ganzen Lebens, die in diesen zwei Badener Tagen sich zusammendrängten, Stunden, in denen sich gleichsam alle Höhepunkte ihres Daseins in ihrer feinsten Wesenheit zu einer leuchtenden Kette zusammenschlossen.
Ruhig, stolz und strahlend kehrte sie nach Wien zurück. Das Mädchen nahm ihr die Sachen ab, berichtete, was sich ereignet hatte in den zwei Tagen.
Ein Herr von einer Zeitung wäre dagewesen. Der Schneider hätte das Lodenkostüm zum Aufbügeln g’holt. Der Hauswirt hatte eine Kollekte herunterg’schickt für blinde Kinder. Noch eine Masse Leit’ — und dann wär’ heute mittag noch ein Herr dag’wesen, ein ganz fremder — keiner von Wien ... ein älterer Herr ...
Sie holte die Karte vom Schreibtisch — er tät wiederkommen, hätt’ er g’sagt.
Karla stand vor dem Spiegel und bauschte ihr vom Hut zusammengedrücktes Haar auf, stand da in einem knappen weißen Rock, mit duftiger weißer Batistbluse, einen schmalen goldenen Gürtel um die Mitte, mit ihren, wie es immer hieß, „statuenhaft schönen“ Armen, die rosig unter dem durchsichtigen Gewebe hervorschimmerten.
Dabei hatte sie ganz vergessen, daß sie noch immer die Visitenkarte zwischen den Fingern hielt. Ja .... richtig ... wer war denn das gewesen? Sie las den Namen und hörte gleichzeitig Läuten von draußen hereinschallen.
Alwin! ...