Da sah sie den jungen, eleganten Herrn plötzlich als mutierenden Gymnasiasten am Ofen der elterlichen Wohnung lehnen und ihr zuhören mit offenem Munde und glänzenden Augen. Hörte seine rauhe Knabenstimme, als er dem Vater zurief: „Wie die singt ...“

Es war ein Abschied gewesen damals — für lange.

So sollte es heute ein Abschied sein — für immer.

Sie setzte sich an den Flügel. Weiches Dämmerlicht erfüllte den Raum. Die Rosen dufteten.

Karla sang.

Und ihre Stimme spann seidig schimmernde, glitzernde Fäden um zwei junge Menschenkinder, denen das Zimmer sich zu einem Dom wölbte, in dem sie andächtig und staunend dem Schlagen ihrer erregten Herzen lauschten.

Schmerzchen hatte an diesem Sonntag allein essen müssen. Luise wartete auf den Bruder, der sich seit zwei Stunden mit Alwin im Studierzimmer eingeschlossen hatte.

„Wir wollen ungestört bleiben“, hatte der Bruder gesagt.