Als es Essenszeit war und das Mädchen zum dritten Male gefragt hatte, ob sie auftragen sollte, hatte Luise leise an die Tür gepocht. Da hatte der Bruder aufgeschlossen und gefragt: „Was ist denn? Kann man denn nicht seine Ruhe haben?“
Und weiß wie Papier war er gewesen, mit Augen, die starr und kalt unter den dicht zusammengezogenen Brauen glitzerten.
Da hatte sie Schmerzchen essen lassen und hatte daneben gesessen, mit klopfendem Herzen und gespitzten Ohren. Schmerzchen, die sich sonst ruhig und selbstgenügsam zu beschäftigen pflegte, war von ihrer Unruhe wie angesteckt. Sie hatte hundert Fragen, ließ sich nicht abfertigen mit kurzen Antworten und sagte schließlich:
„Gewiß wird Mama jetzt kommen. Anna hat gesagt, der Sommer ist bald vorbei ....“
Mit feuchten Fingern strich Luise über ihren glatten, dunklen Scheitel und ging leise ins Musikzimmer.
Sie beugte den Oberkörper zum Fenster hinaus, starrte auf die Menschen, die in der letzten Augustzeit nur spärlich um diese Stunde vorbeischlichen. Da erblickte sie die volle, ein bißchen schwerfällige Gestalt der Schwester, winkte mit der Hand, legte den Finger an die Lippen.
Adele wischte sich den Schweiß von der Stirn. Auch aus ihren Augen sprachen Angst und Unruhe.
Leise schritt Luise durch den Gang, öffnete die Tür zum Treppenhaus. Sie hörte Adelens kurzen, schon ein wenig asthmatischen Atem.
„Leise .. still, Adele .. sie wollen nicht gestört sein.“
Adele flüsterte: