Alwin Maurer blickte trübe auf die weinende, zitternde Frau. Ein Irrtum war sein Leben gewesen — ein Irrtum, in allem und von Anbeginn an. Ihr durfte er keine Schuld geben.
„Komm, Adele, Ernst wird Ruhe haben wollen ...“
Altmann hielt sie nicht zurück. Überwand sich aber, stand auf, gab ihnen das Geleit bis zur Tür, ging in sein Zimmer, stellte sich ans Fenster, sah sie beide über die Straße gehen — langsam, mit gesenktem Kopfe. Sah noch, wie Adele ihren Arm in den ihres Mannes schob, ihm ihr verweintes Gesicht zuwandte, ihm etwas sagte — und wie sie dann, enger aneinandergepreßt, schleppenden Schrittes um die Ecke bogen, untrennbar trotz allem, was sie voneinander schied.
Da trat er vom Fenster zurück, fiel in den Sessel, der auf dem großen angegrauten Fell stand ... den Sessel, in dem sie immer gesessen, wenn sie ihn in seinem Zimmer aufsuchte, wenn sie gehäkelt und vor sich hin geträumt hatte — weit weg von ihm — schon damals vielleicht.
Er hatte sein Gesicht mit den Händen bedeckt, und seine Schultern zuckten.
Luise ließ ihn allein. Wußte, wie wenig sie ihm war in diesem Augenblick.
Aber als der Abend sich durch das offene Fenster hereinstahl, der Straßenlärm abklang und die Stille sich um Altmann legte — eine Stille, die nicht Ohnmacht und die nicht Schlaf war, eine Stille, die wie ein Vorbote war seines neuen, stillen Lebens, die wie eine Auflösung war des schreienden, vernichtenden Schmerzes, da klopfte es an seine Tür.
Er rief nicht herein. Und dennoch ging die Tür auf.
„Schmerzchen“, murmelte er, und streckte die Hand aus.
„Schmerzchen“, — der Name war alles, was ihm von Karla bleiben sollte. Denn das Kind nahm er ihr fort.