Ein kurzer, zitternder Seufzer flog über ihre Lippen in die Stille des Zimmers hinein.

„Ist Mama tot?“

Ihr Stimmchen, das fein und zart war, kippte um. Nur wenn eine Mutter tot war, sahen die Kinder sie nie wieder. Das wußte sie von der Schule her. Dann kamen die Kinder in schwarzen Kleidern an und flüsterten leise: Mutter ist tot! Weinten, und die Lehrerin streichelte ihnen Wangen und Haar. Furchtbar traurig war das! Aber auch schön! Die Kinder sagten, die Mutter wäre jetzt ein Engel und schwebte ihnen zur Seite, sie zu beschützen. Das war auch traurig, aber sehr schön!

Altmann drückte das feine Köpfchen an seine Brust. Tot ... nein. Nicht einmal die fromme Lüge konnte er dem Kinde als Trost geben. Ein Bild von Karla in einer Zeitschrift ... ein Wort, das das Kind auffing ... jetzt oder später ...

„Nein, Kind ... deine Mama lebt.“

Schmerzchen kroch zum Vater auf den Schoß; sie sagte: „Dann kommt sie ... die Mama ...! Ich weiß es ... ich habe ihr einen Brief geschrieben: Liebe, liebe Mama, komm doch zu deinem Schmerzchen. — Du wirst sehen, Papa, sie kommt ...“

Ruhig, sicher, sehr überzeugt sprach Schmerzchen. Das gab es doch gar nicht — eine Mama, die nicht kam, wenn ihr kleines Mädchen sie rief.

„Deine Mama wird ein anderes kleines Mädchen haben, andere Kinder ...“

„Andere Kinder? ....“

So wie sie andere Puppen bekam? Neue, schönere? Sie warf dann die alten fort. So warf die Mama ihr Schmerzchen fort. Spielte nur mehr mit ihren neuen schönen Kindern? ...