Schmerzchen weinte nicht. Nur ihre kleinen, feingliedrigen Hände ballten sich zornig zusammen.

„Dann werfe ich Mama aber auch fort ...“

Es war das Ende einer langen, langen Gedankenkette. Mehr sagte sie nicht. Um keinen Preis hätte sie geweint. Um keinen Preis gesagt, wie das Herz ihr schlug .... wie die Füße ihr kalt wurden, und ihre Zähne sich aneinanderpreßten.

„So mußt du nicht ... hörst du, Schmerzchen ... so darfst du nie, nie von der Mama sprechen! Das verbiete ich dir ...“

Ihr feines Kinderohr hörte etwas heraus aus der Stimme des Vaters, was sie mit einem neuen heftigen Schreck erfüllte. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, drückte sich an ihn mit aller Kraft ihres kleinen, zarten Körpers. Nun war es ganz dunkel im Zimmer, und sie hielten sich umschlungen — ganz eng, ganz fest, der alternde Mann und sein kleines Mädchen.

— — — Eingeriegelt in seinem Zimmer, beim Schein der grün beschirmten Lampe, saß Alwin Maurer und schrieb ein letztes Mal nach Wien.

„Meine liebe Karla! Ich habe mit Ernst gesprochen. Dein Wille soll geschehen — mit aller Beschleunigung und allem Nachdruck, die Du wünschen magst. Nur eines läßt er dir sagen: Alle Brücken müssen abgebrochen sein, die von uns zu Dir, von Dir zu uns führen — bis die Wunden geheilt und vernarbt sind. Das Kind darf in keinen Zwiespalt gebracht werden.

Dem mußt Du Dich fügen.

Ich freilich kann es kaum glauben, daß Du eine Fremde werden sollst für uns. Aber nur so allein wird es möglich sein, daß er seinen Frieden und Du ein neues Glück wiederfindest.

Da bleibt mir denn nichts übrig, als Dir zu danken für die Stunden, die ich in Deiner Nähe verleben durfte.