Die Erinnerung an sie soll hell und tröstend durch das Dunkel der kommenden Jahre leuchten.
Alwin.“
Alice Reichenberg saß mit Karla und Gaudlitz um das Bett ihres „kleinen Rudi“, der sich langsam vom Scharlach erholte, der ihn fast das Leben gekostet hätte.
Durchsichtig blaß war das blonde Knabengesicht und so zart, daß es schien, als hätten seine blaugeäderten Lider Mühe, sich unter ihrer Last zu heben. Kraftlos lagen die dünnen, langfingerigen Hände auf der roten Seidendecke. Die pflegende Schwester machte eine bittende Bewegung.
„Ja, wir gehen schon“, sagte die Mutter, neigte sich über die Stirn des Kindes und machte den anderen ein Zeichen, ihr zu folgen.
In ihrem kleinen Salon war der Teetisch gedeckt. Im Kamin prasselten noch ein paar große Baumscheite, obwohl von draußen die Sonne der letzten Apriltage an den breiten Spiegelscheiben der Fenster brannte.
Gaudlitz klemmte eine Zigarette zwischen seine starken weißen Zähne.
„Wenn wir verheiratet sind, nehmen wir dir den Jungen auf ein Jahr ab. Paß auf Alice ... wie der sich auf Pinnow herausmachen wird! Den ganzen Tag draußen — Bücher zum Fenster ’raus ... Luft und Licht! Er kann dann auch gleich mit Karla einen Reitkursus bei mir nehmen. Skandal, daß der Bengel noch nie auf ’nem Gaul gesessen hat ...“