Russel bot ihr nicht die Hand zum Gruße, er umschloß ihre beiden Arme mit seinen großen Pranken und schüttelte sie, wie man ein lange entbehrtes, geliebtes Kind schüttelt.

Um Karlas Lippen flog das erste blasse Lächeln.

„Ach ja, Russel ... die Zeiten ändern sich.“

Er lachte.

„Never mind — wir auch.“

Er dachte gar nicht daran, auf ihren Schmerz einzugehen oder ihn zu schonen. War ja alles Unsinn.

„Well, Karla König — ein jeder von uns hat etwas, worüber er hinwegkommen muß in seinem Leben — einen Kummer, eine Schweinerei, ein Verbrechen. Das vergißt sich aber nur, wenn man mit beiden Füßen in die Arbeit springt — you know. Danken Sie Ihrem Schöpfer, daß er es gut mit Ihnen gemeint und Ihnen so schöne Arbeit gegeben hat! Arbeit und Freunde — Freunde in allen Gegenden der Welt. Glauben Sie, ich bin aus Amerika gekommen, um Ihnen einen Kondolenzbesuch zu machen? God bless me! Ich bin gekommen, business zu reden. Das ist die beste Medizin — für Sie und für mich. — Well, Karla König, ich mache jetzt zum dritten Male mein gleiches Angebot. Und diesmal sagt sogar der alte Säufer von Kapelle, Sie sollen kommen. Ohne alles Wenn und Aber kommen. Er verspricht dann auch, nicht mehr zu trinken und sich an die Metropolitan engagieren zu lassen. — Also, rekapitulieren wir: New York, Frisco, zurück Washington, London, Petersburg–Paris. — Karla König ... nun stecken Sie Ihre großen Heimatsgefühle zurück. Ihre Heimat ist die Welt. Ihr Thron steht in allen Hauptstädten der zwei Kontinente — und Ihre Untertanen sind alle Menschen, die einmal drei Töne von Ihnen gehört haben. Ready.“

Der Papa zappelte vor Entzücken.

John Russel — das war sein Mann! Der Mann war einzig, wundervoll! Wenn Karla nicht annahm, dann — war sie nichts wert — nichts war sie wert.

Karla aber fühlte, wie bei John Russels Worten der Rausch längst vergangener Tage mit seinen heißen, prickelnden Nebeln wieder aufstieg, und wußte, daß nur er all das Wunde und Wehe, das in ihr schrie, einlullen — zum Schweigen bringen konnte.