John Russel sprach weiter auf sie ein — freundschaftlich, eindringlich, zäh ... spürte als alter Goldgräber der Ader nach, die ihm ihre Schätze ausliefern sollte.

Und Karla setzte ein zweitesmal ihre zitternde Unterschrift unter den Vertrag, der sie ins Ungewisse hinaustrieb.

In fieberhafter innerer Unruhe traf Karla ihre Vorbereitungen. Denn schon in vierzehn Tagen sollte sie sich, zugleich mit John Russel, nach Amerika einschiffen.

Drei Tage vor der Abreise schrieb sie an Altmann. Bat ihn, ihr das Kind zu schicken. Nur für eine Stunde. Nur damit sie Abschied nehmen könnte vor ihrer langen Fahrt. Am nächsten Morgen lag die Antwort neben ihrem Frühstücksteller. Die vertraute, gleichmäßige und pedantische Schrift Altmanns ließ ihr Blut aufwallen, daß es mit schmerzenden Hammerschlägen an ihre Schläfen pochte. Sie riß den Umschlag auf — ihre eigene Schrift war es, die ihr entgegenstarrte — das unbeholfene, kindlich dankbare, heiße Gestammel, die sie von ihrem Wochenbett aus an ihren Mann gerichtet hatte: „... Unser Kindchen wirst Du doch lieben? Das mußt Du mir versprechen. Wie danke ich Dir, daß Du es mir gegeben! Wie liebe ich Dich! Nie werde ich aufhören, Dich zu lieben. Deine Karla.“ Darunter mit rotem Bleistift: „Ich habe mein Versprechen gehalten. Du aber —!!“

Zwei Ausrufungszeichen, wie mit zischendem Peitschenhieb hingehauen. Alles Blut lief ihr aus den Wangen und Lippen.

Langsam zerriß sie den Brief in winzig kleine Stücke, warf das Häufchen Papier in die Aschenschale und brannte es mit einem Streichholz an.

Am nächsten Morgen verließ Karla König Berlin.

Jahre zogen dahin.