Gleichartig in ihren brausenden Triumphen für Karla draußen in der Fremde. Gleichartig in ihrer Stille für Altmann in der Landgrafenstraße.
Schmerzchen — der Name blieb ihr wie eine wehmütige Liebkosung, wie ein letztes Erinnern an die Mutter — wuchs heran, ruhig, ernst, in uneingestandener, unklarer Sehnsucht, in bedachter Fügsamkeit.
Manchmal, in ihren Träumen nachts, legte sich ein schmerzliches, über ihre Jahre hinaus reifes Lächeln um ihre Lippen — und ein Stöhnen: halb Weinen, halb Lachen, drang aus ihrer Brust.
Dann stand Luise leise auf, trat an ihr Bett, leuchtete ihr ins Gesicht, richtete die Decken, legte ihre kalte, hagere Hand auf die schlafglühenden Wangen.
„Ich bin ja da, Kind ... ängstige dich nicht.“
Schmerzchen schlug die Augen auf, lächelte ... erkannte die große Gestalt, die streng und sorgend an ihrem Bett stand und schloß die Augen wieder, wie um die Wirklichkeit nicht zu sehen, die so grau und dürftig war.
Schweigsam und ernst war auch der Vater, verhalten im Lob, gemessen im Tadel. Ganz weiß war sein Haar an den Schläfen, und rings um die Augen zogen viele kleine Falten strahlenförmig ihre Furchen. Karlas altes Bild stand unverrückt auf seinem Schreibtisch. Vielleicht sah er es nie mehr an, sah es überhaupt nicht.
Nur als Luise es einmal fortgenommen hatte, weil sie sich dachte, daß es besser für ihn sei, wenn er ihr Gesicht nicht immer vor sich sähe, — da hatte er durch das ganze Haus gerufen: „Was soll das? ... Luise! ... Wer geht mir an meinen Schreibtisch ....? Wer macht da Unordnung? ... Das verbitte ich mir ...!“
Und obwohl Luise ganz erschreckt das Bild sofort wieder aufgestellt hatte, dauerte es Tage, bis er das Wort wieder an sie richtete.
Karlas Bild aus der ersten Zeit ihrer Ehe — das war seine Vergangenheit.