So dachten die Schwestern noch heute, nachdem zehn Jahre vergangen waren.

Dr. Alwin Maurer hatte jetzt eine Art kleiner Tonsur in seinem blonden Lockenkopf, und sein Gesicht war blaß und verschwommen. Adele und Luise sahen einander auch heute noch zum Verwechseln ähnlich. Nur wer genauer hinsah, bemerkte weiße Silberfäden in Luisens dunkelblondem Scheitel und kleine Fältchen um Adelens Augen. Sie hatten beide die schmalen Altmannschen Lippen, die geraden dunklen Brauen und zogen in harter Linie die Mundwinkel herab, wenn sie auch nur innerlich etwas ablehnten.

Ihres Bruders Heirat lehnten sie beide ab. Aber sie waren wohlerzogen und höflich. So warteten sie in der Wohnstube, in schwarze Seide gekleidet, auf das Läuten an der Korridortür.

Dr. Alwin Maurer, im Bratenrock, der an den Nähten spannte, ging auf und ab, mit auf dem Rücken verschlungenen Händen.

Der Duft des Kalbsbratens umwehte verheißungsvoll seine empfindsamen Nüstern. Er blickte öfters auf den Regulator. Wenn sie nur zur Zeit kamen, und das Essen nicht verdarb!

Schließlich war das bißchen „Fraß“ doch das einzige, was das Leben lebenswert machte ...

Die Klingel schrillte durch die Wohnung ... Dr. Maurer stürzte im letzten Augenblick in eine Ecke des Zimmers und warf den hellen Rohrstock, mit dem er am heutigen Vormittag seinen Stammhalter verdroschen, unter das braunrote Plüschsofa.

Karla machte kaum den Mund auf. Sie war gesellschaftlich noch ungewandt, und die frostige Freundlichkeit der fremden Verwandten ließ sie zu Eis erstarren.