Luise Altmann fand, daß sie sich bei Tisch nicht recht benehmen konnte, denn sie schnitt die Kartoffeln mit dem Messer durch und trank, bevor sie den Bissen im Munde heruntergeschluckt hatte!
Auf das verwandtschaftliche „Du“ wurde bei der Zitronenspeise eine Flasche deutschen Sekts geleert. Altmann hatte eine elegante Art, die Serviette um den Flaschenhals zu schlagen und die Gläser nur bis zur Hälfte vollzuschenken.
Karla bewunderte ihn sehr in dieser Tätigkeit, und verträumt versetzte sie sich an ihre Hochzeitstafel zurück in der „Krone“. Schön war das damals gewesen — und lustig! Wie die Kollegen sich gefreut hatten! So viel Liebes hatten sie alle gesagt, und so hübsche Trinksprüche waren gestiegen. Nach dem Kaffee hatte man auch noch ein bißchen gesungen, vorgetragen und sogar getanzt ...
Der Kalbsbraten und die Zitronenspeise waren gewiß gut geraten, aber es wollte ihr nichts so recht durch die Kehle rutschen.
Der Altmannsche Typus in seiner dreifachen Spielart bedrängte sie. Die Vornehmheit und Schönheit ihres Mannes verloren ihren Wert, da sie sie in den beiden Schwestern wiederfand. Diese Gleichheit reizte sie. Sie bekam einen roten Kopf.
„Wie fühlst du dich, Karla, hm?“
Es war klar, daß Altmann den Ausdruck innigsten Entzückens für selbstverständlich hielt. Darum wartete er die Antwort gar nicht erst ab, sondern sprach weiter mit seinen Leuten — über die Kredenz, an die der Vater noch selbst eine Leiste angeklebt und die sich so prachtvoll erhalten, über Luisens Stellung im Hause der englischen Familie, über den voraussichtlichen Beruf von seinem Neffen Fritz.
„Dem Jungen mußte ich heute auf Spanisch Mores lehren,“ sagte Dr. Maurer, „glaubst du es, daß der vierzehnjährige Bengel alte Schulbücher verkloppt hat, um sich Zigaretten zu kaufen?“
Karla lachte plötzlich los.
Altmann sah sie befremdet und zurechtweisend an.