Karla führte die schöne Tasse mit heimlichem Herzklopfen zum Mund. Wenn die Mutter sähe, wie so das feine Geschirr ...

Indem stieß sie mit Altmanns Hand zusammen, der ihr den Korb mit Gebäck reichte, und in der Angst, ihr Schwarzseidenes könnte einen Fleck abbekommen, lockerten sich ihre Finger, und die Tasse fiel zu Boden.

„O Gott! ...“

Papa winkte mit der Hand.

„Macht nichts, macht ja nichts. Bist eben immer noch das kleine Trampeltier. Aber Scherben bedeuten Glück — also nur kein Drama ... bitte, ja kein Drama!“

Er streckte die Hand aus und läutete mit einer silbernen Klingel. (Die Klingel hatte früher in Karlas Kindheit das Christuskind eingeläutet.) Gleich darauf, so rasch, als hätte sie hinter der Tür gestanden, um zu lauschen, kam die Wirtschafterin herein.

„Bitte, Pauline, ein kleines Malheur ....“

Pauline kehrte gleich darauf mit Tuch und Schaufel zurück und beugte sich über die Tasse. Dabei rauschte ihr gestärkter Unterrock, und die goldene Uhrkette glitzerte auf ihrem Kleid aus gediegenem braunen Wollstoff. Ein für ihre Gestalt fast allzu zierliches Tändelschürzchen deutete ihren dienenden Stand nur flüchtig an.

„Gott, ist mir das unangenehm“, klagte Karla.

„Aber das macht doch nichts, gnädige Frau, das Dutzend ist ohnedies nicht mehr vollständig. Da fehlt ein Henkel, dort ein Eckchen ... Aber der Herr Papa will doch eben nur die guten Sachen benutzen.“