„Sing noch etwas, Karla ...“
„Gern ...“
Aber es fand sich nichts Rechtes vor, und Altmann wollte auch nicht, daß sich Karla anstrenge. Auch seine Augen leuchteten. Karlas Stimme hatte bis jetzt noch nichts von ihrer Schönheit eingebüßt, sie war klangvoller, heißer, jubelnder denn je ....
Er riß plötzlich ihre beiden Hände an seine Lippen, ohne der Schwestern zu achten, die seine Art peinlich berührte. Aber was wußten sie, was alles in ihm vorging, während Karla sang, und daß der Klang dieser Stimme ihm wieder die Welt erschloß, die sich hinter schwarzen Nebelwänden verborgen gehalten.
Was wußte auch Adele von dem, was in ihres Mannes Seele vorgegangen war während Karlas Gesang .....
Viel wichtiger war es ihr, daß ihre Schwester Luise erstaunt die grauen Augen aufriß und dann langsam, fast ungläubig meinte:
„Aber sie hat ja wirklich eine sehr schöne Stimme.“
Immerhin — fein war Karla nicht. Und von Alwin war es zum mindesten sehr merkwürdig, daß er sich zu Karlas Anwalt aufwarf.
Am nächsten Tage erklärte er, daß es „mäuschenstill“ zu sein hätte, wenn Karla übte. Oder er würde mit einem Donnerwetter dreinfahren! Er hatte sie sogar gebeten, nicht eher mit dem Üben anzufangen, als bis er nach Hause käme.
Als sich Karla ans Klavier setzte und den Mund öffnete, wurde sie plötzlich weiß wie ihr schmaler Kragen.