War das eine Art? Bald wäre sie zusammengebrochen, und jetzt tat ihr das Kreuz weh ... So ein Bengel!

Die Hand zitterte ihr, als sie an der Klingel zog. Gleichzeitig aber schlug sie mit der anderen den Umhang fester zusammen. Papa brauchte nicht gleich zu sehen, wie weit es schon mit ihr stand. Er hatte nie gemocht, was unschön aussah und mit Krankheit zusammenhing. So sehr er die Mutter geliebt, aber als sie krank war, da hatte er kaum ihr Zimmer betreten, immer nur Grüße geschickt und Blumen. Aber die Mutter, energisch bis zu ihrem Tode, hatte gezankt. Er sollte nicht Geld ausgeben für solches Zeug. Und wenn er vorsichtig durch die Türspalte sah, hatte sie selbst ihn immer weggeschickt.

„Es gibt was Schöneres zu sehn als eine Frau, die der Teufel lotweise holt ... geh nur, geh ...“

So war er auch zu ihrem Sterben zu spät gekommen und hatte sie nur gesehen, als sie, mit ihrem schönen braunen Seidenkleid angetan, ein Kruzifix zwischen den bleichen Fingern, in ihren weißen, sauberen Kissen lag.

Da freilich hatte er geweint, daß es einen Stein erweichen konnte. Karla hatte ihm viermal das Taschentuch wechseln müssen in dieser ersten Stunde ... Der arme Papa hatte die Mutter sehr geliebt. — —

Karla klingelte noch einmal. Diesmal anhaltend.

„Wer ...? Ach Gott, die junge Frau ...“

Es war Pauline. Sie hatte eine große Wirtschaftsschürze und um den Kopf ein buntes Tuch gebunden.

„Grad’ bin ich mit dem Reinmachen fertig, gnäd’ge Frau ... also bitte nur herein. Dem Herrn Papa wird’s leid sein.“

Karla stand im dunklen Korridor. Pauline konnte nicht sehen, daß sie blaß wurde.