Karla blieb eine Weile wie in Gedanken versunken. Dann fragte sie zaghaft: „Wie hält es denn der Papa mit dem Gelde?“
Pauline schüttelte ärgerlich das Nachthemd aus.
„Da fragen Sie zu viel, junge Frau. Ins Portemonnaie bin ich ihm nicht gekrochen. Wenn ich ihn nicht anhalten würde, daß er mir Wirtschaftsgeld gibt ... ich glaube, ich sähe im Leben keins!“
Karla erschrak. „Aber Ihr Gehalt ...“
„Was, Gehalt? Den ersten Monat hat er mir’s gezahlt. Den zweiten hab’ ich ihn erinnert, den dritten auch noch. Den vierten hab’ ich’s gelassen.“
Karla sah sie groß an.
„Na ja ...! Rausschmeißen wird er mich nicht, und solange ich da bin, habe ich, was ich brauche.“
Karla dachte, daß es nun doch so war, wie sie es das erstemal vermutet hatte. Die hatte sich ins warme Nest gesetzt und wartete auf Papas Tod. Dann trat sie die Erbschaft an, wie das so üblich war. Was an Geld da war, hatte sie von Hand zu Hand bekommen und die Einrichtung als Andenken! So pflegten sich solche Weiber schadlos zu halten ...
Sie hatte nicht mehr viel über Papa gesprochen mit ihrem Manne seit jenem ersten Besuch. Sie wußte ganz genau, wie er dachte — ganz genau. Und „seinen Leuten“ gegenüber hatte er den Papa auch nicht erwähnt. Kein einziges Mal! Das hatte schon seinen Grund. Und wenn er erfuhr, daß sie sich mit der Person an einen Tisch gesetzt und in Papas Abwesenheit mit ihr gegessen hatte, dann ... ja, die Redensarten kannte sie: ihr fehlten Würde, Takt, Anstand. Und wenn sie früher in solchen Fällen die „Gemütlichkeit“ als Entschuldigung angeführt hatte, dann hieß es: Ungebildete Leute sind immer „gemütlich“, wenn sie was zu kauen und zu schlucken haben! Mit der „Gemütlichkeit“, da rutschte man, ehe man sich’s versah, viele Stufen der gesellschaftlichen Leiter herunter, und noch tiefer — bis es recht sumpfig und glitschrig wurde!
„Sie wollen schon gehn, junge Frau?“